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purpleDass die Belgier mehr können als Pommes und Pralinen, beweist alle zwei Jahre das Belgian Jazz Meeting.

 Von Tobias Richtsteig.belgian jazz meetingBrice Soniano © Christine Stephan
Welches Land hatte einmal stolz ein Bild von Charlie Parker und mehrere Saxofone auf seinen Geldscheinen abgedruckt? Nein, es war nicht der 1000-Dollar-Schein, sondern die Note über 200 Belgische Francs. Immerhin stammt Adolphe Sax aus dem belgischen Dinant, auch wenn er das Saxofon in Frankreich erfand und nicht ahnte, dass er sich damit auf ewig einen Ehrenplatz in der Jazzgeschichte gesichert hat. Und natürlich auch in den Herzen vieler Belgier, denn es gibt in dem kleinen Land eine bemerkenswerte Jazzszene. Und damit die auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt wird, gibt es das Belgian Jazz Meeting, ein Showcase-Festival, auf dem sich zwölf belgische Bands einem internationalen Fachpublikum präsentieren können.

Nicht nur Festivalleiter (wo sind die Festivalleiterinnen?) und Labelchefs waren eingeladen, sondern auch die Medien. Und das gab es zu sehen und zu hören: MikMâäk, die neue Bigband-Besetzung des Kollektivs um Laurent Blondiau (tp) und Michel Massot (tuba), stellte ihr Debüt auf der Bühne des Kulturzentrums De Werf vor, wo sie gerade im Sommer auch eine Live-CD produziert hatte. Das rockt ordentlich, wenn sich Bläsersatzgruppen die Motive zuspielen, zum Unisono finden, sich wieder ins Freie verteilen und dann starken Solisten Raum geben. Zu diesen Solisten gehört auch der Trompeter Bart Maris, der am nächsten Vormittag seine wunderbar einfache und doch so komplexe Klanginstallation mit Tonbandschleifen live bespielte. In diesen Kunst-Kontext passte das Duo Rawfishboys. So nennen sich die Sushi-Fans Joachim Badenhorst (bcl) und Brice Soniano (b), die hörbar auch die Ästhetiken der freien Improvisation und der Renaissance-Musik mögen. Was sie daraus machen, mögen wiederum die Zuhörer.

Auf eine ganz andere Weise eingängig kam der Ensemblejazz von Eve Beuvens Heptatomic rüber: Beuvens hatte das atomare Septett vor zwei Jahren gründen können, als sie vom südbelgischen Gaume Festival eine Carte Blanche erhielt, also eingeladen wurde, als Artist in Residence ein neues Projekt zu erarbeiten. Eine nachhaltige Förderung des belgischen Jazz, die Jean-Pierre Bissot in Gaume seit 30 Jahren betreibt. Und auch die Hello Bank, die sich junge Kunden wünscht, will den Jazz nachhaltig fördern, weil diese genreübergreifende, authentische Live-Musik unter Jugendlichen in Belgien im Zeitgeist liegt. „Wir mögen hier Sachen, die an Grenzen gehen. Wenn es zu populär wird, interessiert es keinen in Belgien“, sagte Barbara Sevnaye, die eine Jazz-Studie im Auftrag der Bank vorstellte. Wie ernst es den jungen Belgiern mit dem Jazz ist, demonstrierten zum Abschluss noch der 17-Jährige Hendrik Lasure (p) und der 19-Jährige Casper van de Velde (dr) vom Duo SCHNTZL, mit ihrem virtuosen, aber doch ernsthaften, kurzweiligen, aber auch tiefer in die Gehirnwindungen gehenden Auftritt. Namen, die man sich schon mal merken sollte.