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JAZZTHETIK LiveAuch in diesem Jahr bot Trans4JAZZ wieder eine breite Palette dessen, was Jazz alles sein kann.

 Von Christoph Giese.ravensburg hans BuerkleInkognito © Hans Buerkle
Mit diesen Eröffnungsgästen konnte Thomas Fuchs vom Verein Jazztime Ravensburg nichts falsch machen. Die britische Soul-, Jazz- und Funkband Incognito heizte beim zwölften Trans4JAZZ-Festival in der historischen Stadthalle von Ravensburg ordentlich ein. Jean-Paul „Bluey“ Maunick hatte gleich drei starke Stimmen mitgebracht. Und natürlich die Hits der 35-jährigen Bandgeschichte: „Talkin‘ Loud“, „Brazilian Love Affair“, „Always There“ oder „Don‘t You Worry ‘Bout a Thing“. Die Stimmung war prächtig, das Publikum tanzte ausgelassen. Ein Kontrastprogramm bot gleich der zweite der fünf Festivaltage. Das Trio von Tigran Hamasyan begeisterte vor vollem Saal in der über 600 Jahre alten Zehntscheuer mit energiegeladener, rockiger Kraft. Der armenische Pianist kann gefühlvoll und virtuos zart perlende, von armenischen Folkloremustern durchzogene Klavierlinien spielen. Aber er kann eben auch richtig in die Tasten dreschen, den Fokus auf rhythmische Vertracktheit legen und das noch in Einklang mit E-Bassist Sam Minaie und Drummer Arthur Hnatek. Das riss mit, wenn es auf Konzertdauer auch ein wenig die Abwechslung vermissen ließ.

Aber das Festival wurde immer besser. Der Tunesier Dhafer Youssef und sein Quartett holten das Publikum im Konzerthaus am Ende von den Stühlen. Der fantastische estnische Pianist Kristjan Randalu machte die magischen Gesänge und das flirrende Oudspiel des Bandleaders zum mitreißenden World-Jazz-Abenteuer mit Rockattitüde. Die argentinische Sängerin Lily Dahab hatte am Morgen desselben Tages bei der traditionellen Festival-Matinee auf subtilere Weise auf das Emotionszentrum der Zuhörer gezielt. Ihre Mischung aus argentinischer Folklore, Tango, Brasil und Jazz ist in jedem Moment großes Kino fürs Herz, gepaart mit Charme und Charisma, gesungen von einer wundervollen Stimme und mehr als nur begleitet von ihrer unaufdringlichen Band um den Pianisten und Arrangeur Bene Aperdannier.

Für Nostalgiker gab es das Konzert der Fusion-Legenden The Yellowjackets. Musik von gestern, aber nach wie vor klasse gespielt. Und mit dem jungen australischen Bassisten Dane Alderson haben sich Russell Ferrante, Bob Mintzer und William Kennedy frisches Blut in die Band geholt. Das meiste Publikum strömte am Abschlusstag in die Evangelische Stadtkirche im Zentrum von Ravensburg, um sich von Mari Boine und ihrer seelenvollen folkloristischen Musik mit Joik-Einlagen gefangen nehmen zu lassen. Auch das regionale Kolorit vergaß das Festival nicht und präsentierte das feine Trio des Tübinger Bassisten Axel Kühn. Der nahm den Titel seiner CD Open-Minded wörtlich und spielt von Grunge-Rock inspirierten, offen gehaltenen Jazz.

Nach den letzten Klängen blickte man in rundum zufriedene Gesichter. Alle Konzerte waren gut besucht, die Stimmung bestens. Das Trans4JAZZ hat wieder Charakter gezeigt und viel menschliche Wärme verströmt. Da dachte einer der in diesem Jahr aufgetretenen Musiker sogar schon darüber nach, im kommenden November als Zuhörer wiederzukommen.