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JAZZTHETIK LiveDas Vertrauen in Fritz Schmückers Programmgestaltung beim Jazz Festivals Münster sorgte abermals für ein ausverkauftes Theater, oder war es die Gewohnheit?

Von Jan Kobrzinowski.jazz inbetween
Die diesjährige eintägige Interimsveranstaltung des regulären Jazzfestivals fand als früher Saisonstart schon am 3. Januar statt und wartete mit drei sehr unterschiedlichen Beiträgen zum europäischen Jazz auf. Zurückhaltung war Programm beim Auftritt von Natalia Mateos Sextett. Der polnischstämmigen Newcomerin kam es weniger darauf an, als Frontfrau zu glänzen, als Bandmitglied zu sein und als Sängerin die Kraft zu beschwören, die aus der Ruhe kommt. Ihre Stärke sind eigenwillige Interpretationen polnischen Liedguts, ausgeführt von einer jazzorientierten Band mit innovativem Konzept. Besonders Pianist Simon Grote erwies sich als wunderbar mitdenkender und gefühlvoll begleitender Partner. Am Schluss fasste sich die Band spürbar ein Herz und beendete ihr Set, auch dank des dynamischen Eingreifens von Schlagzeuger Fabian Ristau, mit großer Intensität.

Das ungewöhnlich besetzte niederländische Duo mit dem jungen Harfenisten Remy van Kesteren und dem Trompetenvirtuosen Eric Vloeimans war in der Mitte des Abends zuständig für Herz und Seele. Garniert mit charmant-humorigen Einlagen von Vloeimans, an dem ein Vollblut-Clown (manchmal an der Grenze zum Kasper) verlorengegangen ist, entwarfen die beiden Musiker schön klingende Klangräume, die zwischen Jazz, Klassik und World changierten, und bezauberten so das Münsteraner Publikum. Der Auftritt des neunköpfigen Orchestre Franck Tortiller mit Janis the Pearl, einer Hommage an Janis Joplin, fiel fast zusammen mit der Premiere einer sehenswerten Doku im Kino, bei der man in Erinnerungen an eine geniale Bluessängerin und Pop-Ikone und in alten Zeiten schwelgen kann. Im jazz in between1Münsteraner Theater blieb der Zusammenhang zeitweise etwas bemüht. Die Band groovte sich zu Tortillers Funk-, Jazz- und Bluesarrangements allmählich ein, und Solisten wie Tortiller und Bassist Yves Torchinsky setzten Höhepunkte. Der als Schlagzeuger bekannte Jacques Mahieux fungierte eher als Spoken-Word-Artist denn als Sänger. Die emotionale Beteiligung des gebrechlich wirkenden Mannes wirkte authentisch, was Gesang und Performance anging. Heimliche Stars waren neben dem famosen Schlagzeuger und Vocalizer Patrice Héral die vier Blechbläser, gelungen und ungewöhnlich besetzt mit zwei Trompeten, Posaune und Euphonium.

Seinem Anspruch auf eine „Ästhetik der Kontraste“ wurde Festivalchef Schmücker auch diesmal wieder gerecht. Jazz Inbetween 2016 bot sicher keine Hausmannskost, die Qualität konnte aber mit vorangegangenen Ausgaben nicht ganz mithalten und ließ für den verwöhnten Festivalgourmet ein klein wenig zu wünschen übrig.