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JAZZTHETIK LiveDie Strandkorb-Saison ist Ende Oktober an der Ostsee definitiv vorbei. Nur all die Bauwerke und Anlagen, die dort für den Sommer- und Strand-Tourismus errichtet wurden, sind noch da, stehen herum … und niemand scheint sie zu brauchen. Niemand? Doch, der Jazz.

 

Von Achim Ost.
Weißenhäuser Strand heißt ein kleiner Ortsteil der Gemeinde Wangels, nicht weit von Oldenburg in Holstein. Heiligenhafen ist auch nicht weit und die Insel Fehmarn ein paar Meter weiter. Vom 30. Oktober bis zum 1. November hatte hier ein neu erfundenes Jazz-Festival Premiere. Sein Name ist Jazzville, und sein Ort der ansonsten um diese Jahreszeit weitgehend brachliegende Ferien- und Freizeitpark. Damit die Zumutungen des Wetters niemandem die Laune und erst recht nicht den Auftritt verderben mussten, fand das Festival indoor statt. Für reichlich Übernachtungsmöglichkeiten unterschiedlicher Qualitäts- und Preisstufen ist im Freizeitgelände naturgemäß gesorgt, und keiner der angereisten Gäste musste sich bei dem breit gestaffelten Freizeit- und Wellness-Angebot der Anlage langweilen. Sogar eine Kinderbetreuung für entspannungsbedürftige Eltern war vorgesehen: ein Spaß-Festival für die ganze Familie außerhalb der Saison.

Das Konzept wurde erarbeitet von der Kultur-Managerin Claudia Kiesel, die in der gleichen Gegend schon vier Mal das viertägige L-Beach-Festival im Frühjahr veranstaltet hat, und dem Geschäftsführer des Weißenhäuser Strands David Depenau. Thomas Siffling, polyvalenter und umtriebiger Trompeter, Bandleader und Label-Manager aus dem Rhein-Neckar-Raum, wurde mit ins Boot geholt und kümmerte sich vor allem um die Programmarbeit. Nicht „Jazzjazz“ sollte im Mittelpunkt stehen, sagt Thomas Siffling, also keine Spezialisten-Musik, sondern ein Mix aus verschiedenen populären Musikstilen, der sich am Geschmack eines heterogenen, aber anspruchsvollen Publikums orientieren sollte – von Jazz über Funk und Soul bis zur Weltmusik. Inhaltlich spannte sich der Bogen von der Bigband des Norddeutschen Rundfunks mit Star-Gast Pee Wee Ellis bis zur Soul-Funk-Gruppe Incognito, von Klaus Doldingers bewährter Jazzrock-Formation Passport über die Marilyn Mazur Group bis zur Soul- und Popsängerin Y’akoto. Die großzügige zeitliche Staffelung der Auftritte ohne Überschneidungen ermöglichte jedem Gast, jedes Konzert zu besuchen. Und nach den Konzerten gab es lange DJ-Nächte.

Jazzville ist keines jener Ereignisse, zu denen man wegen exquisiter Konzerte und umraunter Neuentdeckungen pilgert. Es ist ein an Freizeitbedürfnissen orientiertes und familienfreundlich konzipiertes Publikums-Festival mit Tanz- und gelegentlichen Mitklatsch-Möglichkeiten, das sich mit seiner musikalischen Qualität gleichwohl große Mühe gibt und da durchaus satisfaktionsfähig ist. Mit dem Besuch während des ersten Festivals waren die Veranstalter durchaus zufrieden. In diesem Jahr wird es einen zweiten Versuch geben, allerdings noch später im Jahr – vom 25. bis zum 27. November. Thomas Siffling arbeitet schon am Programm. Die Ostsee-Tourismus-Saison emanzipiert sich vom Strandkorb.