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JAZZTHETIK LiveDas Festival We Jazz führt an Orte in der finnischen Hauptstadt, an denen man Jazz eigentlich nicht vermutet.

Von Christoph Giese.we jazz TimoLassyBand (c) Maarit Kytîharjuwe jazz TimoLassyBand © Maarit Kytîharju
Nach großen Spielorten schaut man sich gar nicht erst um. Musiker und Zuhörer sollen einen möglichst intimen Zugang zueinander haben. Das geht nun mal am besten in kleinen Sälen, Cafés, Theatern. Oder in einer Straßenbahn, den Büroräumen einer Lautsprecherfirma oder im Wohnbereich der kleinen Einzimmerwohnung eines Musikers. Matti Nives und sein vor drei Jahren ins Leben gerufene Festival We Jazz wollen nicht riesengroß sein. Sie wollen anders sein, was die Präsentation von Konzerten betrifft, und sie sind anders. Die Macher haben vor allem Musik im Angebot, die sie selbst gerne hören möchten. Da sitzt man als Zuhörer dichtgedrängt in der kleinen Kaffeebar Sävy, um dem freigeistigen Jazz des 80-jährigen, legendären finnischen Saxofonisten und Flötisten Juhani Aaltonen und seines Trios zu lauschen. Noch enger ist es in der Wohnung von Pianist Joonas Haavisto, der an mehreren Nachmittagen während des Festivals jeweils einen Duo-Gast dazuholt. Für mehr wäre auch kaum Platz, hat Haavisto doch einen Flügel mitten in seinem kleinen Apartment stehen. So sitzt man auf dem Bett, auf kleinen Stühlen oder steht an der Küchenzeile und lässt sich verzaubern von dem Auftritt mit seinem regulären Bassisten Antti Lötjönen. Mit seinem Trio bringt Joonas Haavisto gerade das hörenswerte Album Oku heraus, von dem er auch in seiner Wohnung einige Stücke spielte. Mit starken, schönen Melodien zum Träumen. Aber nicht nur elegisch aufspielend, sondern auch zupackend, beherzt und gewitzt in Jazzstandards wildernd, ist dieser Pianist mehr als nur ein Ohr wert.

Ein weiterer Tastendrücker sorgte bei We Jazz für feine Momente. Aki Rissanen erstaunte in einem Solokonzert zusammen mit dem Visual-Künstler Petri Ruikka als experimentierfreudiger Elektroniker, während er im fantastischen Quartett des Trompeters Verneri Pohjola eine prägende Stimme auf dem Konzertflügel war. Pohjolas Konzert war ein Höhepunkt des Festivals. Wunderbare Melodiebögen, Klangschönheit und lyrische Momente, kontrastiert von frech-frischen rhythmischen Farben von Drummer Teppo Mäkynen, ergaben eine wunderbare Musik, vorgetragen in dem dazu passenden Retro-Ambiente des Andorra-Theaters.

Der Fokus von We Jazz liegt eindeutig auf finnischem Jazz, der in diesem Jahr überwiegend recht konventionell klang. Unter allen Formationen der sieben Festivaltage waren ganze zwei aus dem Ausland: das Vijay Iyer Trio aus den USA zum Auftakt und das Gunter Hampel Quintet aus Deutschland, über dessen wenig inspirierenden Auftritt man kaum Worte verlieren muss. Dagegen machte der Festival-Kehraus im Rock-Club Tavastia mit der um zwei Gäste erweiterten Band des Saxofonisten Timo Lassy wiederum viel Spaß. Denn kaum lässt sich ein kalt-nasser Dezemberabend besser verbringen als mit wie geölt fließendem, positive Stimmung verströmendem Soul Jazz und Hard Bop allererster Güte, wie ihn der sympathische Finne zu bieten hatte.