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JAZZTHETIK LiveEhrung, Preisverleihung, Auftritt – Nils Landgren hatte gut zu tun beim Festival Mr. M’s Jazz Club im Kurhaus Baden-Baden.

 Von Achim Ost.Nil Landgren Preisverleihung Foto Baden Baden EventsNil Landgren Preisverleihung © Baden Baden Events
Der Schwede kam natürlich nicht ohne seine rote Posaune. Er kam aber diesmal ohne Orchester, dafür mit einem variierten Leonard-Bernstein-Programm. Und er kam nicht nur nach Baden-Baden, um bei der 2016er-Lieferung des Festivals Mr. M’s Jazz Club im Bénazetsaal des Kurhauses zu spielen. Nils Landgren kam auch, um sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen und den Joachim-Ernst-Berendt-Preis entgegenzunehmen, der ihn nunmehr in eine Reihe mit etlichen Größen des Jazz stellt wie Wolfgang Dauner, Paul Kuhn oder Till Brönner. Landgrens Label-Chef und langjähriger Weggefährte Siggi Loch hielt die Laudatio und würdigte dabei auch den Namensgeber des Preises. Nils Landgren seinerseits bedankte sich für den Preis, der nicht dotiert ist und in einer von Markus Lüpertz gestalteten Skulptur besteht, mit einem ausgiebigen Konzert, das er abwechselnd als Posaunist und als Sänger gestaltete und mit dem er das Kurhaus bestens unterhielt. Wie in Baden-Baden üblich, kam schließlich auch Veranstalter Marc Marshall auf die Bühne, ein Sänger und Entertainer alter Schule, der – höflich, wie er ist – nicht den Versuch unternahm, den nicht eben stimmgewaltigen Landgren an die rückwärtige Bühnenwand zu singen, sondern unter anderem mit ihm zusammen aus aktuellem Anlass John Lennons Friedenshymne „Imagine“ zu intonieren.

Der zweite Abend des Festivals gehörte dem raren Phänomen der Verwandtschaft im Jazz. Rolf und Joachim Kühn, die anregend ungleichen Brüder, die sich seit Menschengedenken auf der Jazzbühne bestens verstehen, eröffneten mit einer weiträumigen Annäherung an den Jazz, wobei Rolf Kühn mit seinem eleganten und geschichtsträchtigen Klarinettenton in der großen Jazztradition steht, während der mit mittlerweile immerhin 71 Jahren kleine Bruder Joachim am Klavier stark von der sogenannten klassischen Musik beeinflusst scheint. Beide trafen zusammen in einer freieren und energieintensiveren Auffassung von Jazz, als sie im Kurhaus üblich zu sein scheint. Und bereiteten zugleich den Boden für Vater und Sohn Dauner: Vater Wolfgang ist eine internationale Jazz-Legende und gehörte unter anderem einst zu den Gründern des United Jazz + Rock Ensembles, Sohn Florian ist ein mit allen Wassern gewaschener Perkussionist und Schlagwerker, der unter anderem bei der Band Die Fantastischen Vier mitgespielt hat. Beide zusammen finden ihr gemeinsames Arbeitsfeld in eher weltmusikalisch geprägten Gefilden, und Mister M kam schließlich auf die Bühne, um mit ihnen „My Funny Valentine“ zu geben.

Der dritte Abend gehört in Baden-Baden traditionell den sogenannten All Stars, einer Projektband, bei der diesmal Frank Lauber (sax), Christian von Kaphengst (b), Hans Decker (dr), Henrik Soll (p), Bruno Müller (g) und Peter Fessler (voc) dabei waren, zu denen sich Lucia Cadotsch, Simon Oslender und natürlich auch wiederum Marc Marshall alias Mr. M mischten und so das Festival in einem traditionell familiären Konzert ausklingen ließen.