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JAZZTHETIK LiveBei Sound Lake City (SLC) in Münster ist es familiärer geworden. Kommunikatorin Soetkin Stiegemeier-Oehlen flirtet mit dem Publikum, man duzt sich, kennt sich. Und freut sich wie Andreas Steinke, Sponsoring-Fachmann im Team, dass es auch Gäste von weit her in die Konzerthalle Cloud geschafft haben.

 Von Jan Kobrzinowski.
Das SLC-Team setzte für den Start auf Bewährtes: Martin Tingvall führte sein Trio mit dem trockenem Humor des Nordens durch einen Auftritt mit inspirierter Routine, gewohntem Drive und großem Zuspruch. Die drei Publikumslieblinge profitierten dabei von der Cloud-typischen, überaus sorgfältigen Beschallung und sehr angenehmer Lichttechnik. Nachwuchsförderung betrieb SLC diesmal mit der Einladung von Studenten des Studiengangs Popularmusik der Musikhochschule Münster. Die junge Band Looking for Ella präsentierte Popsongs mit elektronischen Sounds und brachte das Publikum schnell auf ihre Seite. Man wollte die charmante Band um Sängerin Natalie Handwerk nur ungern von der Bühne lassen, was anschließend Cécile Verny nach halbstündiger Pause zu einer netten Ansage veranlasste: „Schön, dass Sie noch für uns geblieben sind.“ Mit ihren hochmusikalischen Mitmusikern feierte sie ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum mit grooviger, souliger und druckvoller Musik, so dass es manchen Zuschauer in der bestuhlten Cloud in den Beinen juckte. Beim Klang der Mathias Eick Band ließ sich sein Label ECM nicht verleugnen. Der stets nachdenklich, allerdings nie schwermütig wirkende Trompeter hat seine Besetzung weiter an das nordisch-elegische Genre angepasst. Reizvoll: die Klangverbindung der Geige (Håkon Aase) mit Eicks Trompete. Schön auch, dass es das noch gibt: Bassist Audun Erlien zeigte sich als Bewahrer der Schönheit des Original-Fender-Bass-Sounds.

Am Sonntag, zum Ende der Music Days, wagte SLC etwas mehr. Mit seinem mutigen Trio-Projekt drohte der Finne Kimmo Pohjonen beinahe seine Reputation als international anerkannter Akkordeon-Freak aufs Spiel zu setzen, indem er sich mit seinen beiden jugendlichen Töchtern Inka (voc, g, samples) und Saana (dr, voc) die Bühne teilte. Es verstrich einige Zeit, bis die Familie Pohjonen zeigen konnte, wo es langgeht: Die Töchter fühlten sich sichtlich wohler, je mehr heavy Backbeat sie generieren durften. In schönem Kontrast dazu standen ihre Wordless-Vocal-Einlagen. Sicher macht dieses Trio keine weiteren Tore in Richtung innovativer World Music auf, dazu reicht die instrumentale Kunst der beiden jungen Damen noch nicht, aber immer, wenn der Mann mit dem Nimbus des schratigen Exoten dem Konzertsaal Grunge, Death Metal und Punk, und so den Music Days mehr Schmutz einhauchte, wurde es sehr interessant.

Sound Lake City kann sich noch mehr trauen, ist aber, gerade durch Auftritte wie den von Pohjonen, deutlich in der Spur zum Event mit eigener Kontur. Dem Münsteraner Publikum kann man sicher noch einiges mehr zumuten – und nebenbei das Konzept auch für auswärtige Besucher attraktiver machen.