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JAZZTHETIK LiveDie 15. Ausgabe des Snow Jazz Gastein stand ganz im Zeichen der Zahl Drei.

 Von Christoph Giese. snow jazz The Soul Gift (c) Josef MaierThe Soul Gift, Simon Gambarov © Josef Maier
Warm ist es im Sägewerk. Dabei hatte sich Raphael Wressnig schick gemacht. Mit feinem Hemd und Anzug. Aber dem Organisten aus der Steiermark läuft der Schweiß nur so herunter. Was nicht nur an der Wärme im Club, sondern auch seiner hitzigen Musik geschuldet ist. Also raus aus der Jacke und dem Hemd und dann weiter mit Vollgas, hinein ins köchelnde Gebräu aus Soul, Funk, Blues und Jazz seines Trios. Das kombinierte Wressnig an diesem Abend erstmals mit The Soul Gift, einem Saxofontrio um Max the Sax. Höllisch, wie die sechs Musiker gemeinsam eine ausgelassen groovende Musikparty initiierten, die das Publikum mitriss. Was für ein Auftakt der 15. Ausgabe des Snow Jazz Gastein. Nach vielen warmen Worten für Festivalmacher Sepp Grabmaier vor dem Konzert lieferten Wressnig und Co. das richtige Hauptgericht zum Festival-Jubiläum. Erstaunlich, was Grabmaier im Gasteinertal auf die Beine gestellt hat. Längst ist die Wintersportregion nicht mehr nur Kur- und Heilregion, sondern auch Jazz-Land. Im Sägewerk gibt es das ganze Jahr über Konzerte und im März dann das Snow Jazz Gastein, jedes Jahr unter einem anderen Motto. „Infernale Trios“ lautete es dieses Mal.

Infernal war es nicht, was das Trio Michel Godard, Livio Minafra und Roland Neffe an seinem ersten gemeinsamen vollen Konzertabend bot. Der Franzose an Tuba und Serpent, der Italiener am Klavier und der Österreicher am Vibrafon – das war eine Kombination mit zauberhafter Musik jenseits fester Kategorien. Musik voller Seele in jeder Note, mediterran angehaucht und natürlich. Der österreichische Pianist David Helbock rückte gleich mit zwei Trios an, die er in der Zugabe sogar zusammenführte. Random/Control ist ein aberwitziger Musikspaß mit Alphorn oder Tuba, sein nach ihm benanntes Trio mit Schlagzeug und Bass-Ukulele eine perkussiv angelegte Rhythmus-Maschine, die aber auch durch großartige Melodien betörte. Auch das Trio von Céline Bonacina (sax) machte viel Spaß. Die Französin spielte mit Drummer Kevin Reveyrand aus Madagaskar und Bassist Hary Ratsimbazafy aus Martinique eine bunte Mischung aus Jazz, Groove und afrikanischen Elementen, die sie mit geloopten Saxofonklängen noch anreicherte.

Das gemütliche Sägewerk in Bad Hofgastein war erneut der Hauptspielort, was für ein Festival mit lauter Trios super passte. Die Musiker fühlten sich spürbar wohl, etwa der deutsch-dänisch-französische Dreier Das Kapital mit Daniel Erdmann (sax), der neben nicht immer ganz leicht verdaulichen, bruchstückhaften kollektiven Improvisationen zwischen Jazz und Rock auch mit herrlich treibender Energie aufwartete. Die brachte auch Mario Roms Interzone mit viel Schwung auf die Bühne. Der für Ohren und Magen köstliche Jazzbrunch im Hotel Miramonte in Bad Gastein war dann nach neun Festivaltagen das i-Tüpfelchen. John di Martino (p), Boris Kozlov (b) und Klemens Marktl (dr) hatten vor allem Stücke von Billy Strayhorn im Programm – und spielten diese erfrischend aufbereitet und voller Herzblut. Dazu schien die Sonne vom Alpenhimmel. Jazzerherz, was willst du mehr!?