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JAZZTHETIK LiveDie Jazz-Maschine im luxemburgischen Dudelange läuft weiter wie geschmiert.

 Von Peter Bastian.dudelange bugge wesseltoftBugge Wesseltoft © Peter Bastian
Von der Tradition bis zur Moderne und in angrenzende Stile hinein reichte das Spektrum, das die 17 Bands anzubieten hatten, die an den vier Tagen des Festivals Like a Jazz Machine im luxemburgischen Dudelange auftraten. Drei von ihnen hatten die Möglichkeit, als Artist in Residence im Kulturzentrum Opderschmelz ihre neuen Programme zu erarbeiten.

Erster Resident war der isländische Altsaxofonist Sigurdur Flosason, der in seinem Lux Project mit Luxemburger Musikern zusammenarbeitete. Michel Reis (p), Marc Demuth (b) und Jeff Herr (dr) waren schon bei den vergangenen Ausgaben des Festivals als hervorragende Spieler aufgefallen. Flosason, dessen Ton etwas an Paul Desmond erinnert, harmonierte bestens mit dem Trio. Sein „Counting Sheep“ hatte einen alles andere als einschläfernden Rhythmus, und „Stanley Park“ des vielversprechenden Michel Reis erwies den Luxemburger als hervorragenden Komponisten. Höhepunkt des Festivals war Acous_Matic des französischen Saxofonisten und Klarinettisten Sylvain Rifflet. Auch er konnte mit einem Sextett, darunter Verneri Pohjola (tp) und Henning Sieverts (b), im Opderschmelz sein neues Programm erarbeiten. Rifflets umwerfende Kompositionen zwischen Kammermusik und Modern Jazz, seine unendlich schönen Bläsersätze für Saxofon, Trompete und Flöte und seine dynamischen und abwechslungsreichen Arrangements überzeugten vom ersten bis zum letzten Ton.

Dritter Resident war der Luxemburger Schlagzeuger Pit Dahm, der den Holländer Harmen Fraanje (p) in sein Quartett einlud und seine erste CD Omicron vorstellte: gediegener Jazz zum Füßewippen. Auch beim Quartett des luxemburgischen Gitarristen Greg Lamy kam nicht unbedingt Aufregendes heraus. Ganz anders bei seinem Landsmann, dem Saxofonisten Maxime Bender, der mit Manu Codjia einen veritablen Star an der Gitarre hat und mit Jean-Yves Jung (org) und Jerôme Klein (dr) zwei weitere mitreißende Musiker. Das war attraktiver moderner Jazzrock.

International wurde es mit Bojan Z und Julien Lourau, die an Keyboards und Saxofon das Publikum mitrissen, und Francesco Bearzattis Tinissima Quartet mit seinem Tribut an Woody Guthrie. Ihre Landsleute von Calibro 35 überzeugten mit Versionen von Filmmusiken alter amerikanischer Serien, die sie als psychedelischen Afrofunkjazz ungeheuer dreckig darboten. Das Duo Tatsuya Nakatani (perc) und Assif Tsahar (ts) war von selten gehörter Intensität und Qualität, Bugge Wesseltofts New Conception of Jazz mit vier jungen Frauen überzeugte dagegen gar nicht, und Nostalgia 77 des französischen Gitarristen Ben Lamdin steckte mit Spielfreude à la Chris McGregor an.
Voodoo hätte lieber Eigenes präsentieren sollen, statt ständig Miles und Hendrix zu imitieren, und die Stücke von Rita Marcotullis European Leaders mit Andy Sheppard waren oft suitenhaft zerfasert. Orioxy, die israelische Band von Sängerin Yael Miller und Harfenistin Julie Campiche, gab sich zwischen Schlaflied, Electro und Psychedelic Rock recht prätentiös. Das englische Hidden Orchestra spielte voll nach vorne: elektroakustische Techno-Musik, laut und so richtig was für kurz vor Mitternacht. Atemberaubend.