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JAZZTHETIK LiveDie siebte Verleihung des ECHO Jazz fand ein gutes Maß zwischen Anspruch und Zugänglichkeit.

 Von Guido Diesing. echojazz philipcatherinePhilip Catherine © Guido Diesing
Es ist ja immer die Frage bei brancheninternen Preisverleihungen, für wen das Ganze eigentlich gedacht und gemacht ist. Ein Ausdruck von Wertschätzung für herausragende Leistungen im Vorjahr ist das eine, Präsenz in den Medien und die Chance, vielleicht doch über die eigene Nische hinaus Interesse bei potenziellen neuen Hörern zu wecken, das andere. Was den zweiten Punkt angeht, kann man der diesjährigen Gala zur Verleihung des ECHO Jazz in der Hamburger Fabrik Kampnagel wenig vorwerfen. Sollte es TV-Zuschauer gegeben haben. die zufällig in die vom NDR-Fernsehen zwei Tage später (allerdings nachts gegen halb zwölf) ausgestrahlte Zusammenfassung geschaltet haben, so dürfte der eine oder andere überrascht festgestellt haben, dass ihm Jazz viel besser gefällt, als er vorher gedacht hätte.

Das lag zum einen an den Live-Acts. In den Beiträgen von Lars Danielsson & Cæcilie Norby, Tigran Hamasyan, Ibrahim Maalouf und Anke Helfrich, die allesamt unter den Preisträgern waren, kam eher die zugängliche und gefühlvolle Seite des Jazz zum Ausdruck. Was Moderator Götz Alsmann schon zur Begrüßung verkündet hatte, fand auf der Bühne somit Bestätigung: „Jazz ist in all seinen Facetten Musik für alle, Musik für jeden.“ Zwei Auftritte von Gregory Porter, dem Sänger, auf den sich alle einigen können, taten ein Übriges, wenn er auch als Co-Moderator wie schon im vergangenen Jahr recht hölzern seine Moderationskärtchen ablas. Da war es zu verschmerzen, dass die übrige preisgekrönte US-Prominenz (Diana Krall, James Farm, Jose James, Kendrick Scott, Brad Mehldau) geschlossen fehlte. Saxofonist Kamasi Washington wurde von Götz Alsmann schmunzelnd entschuldigt: „Er kann leider aufgrund eines wichtigen Friseurtermins heute nicht bei uns sein.“

Unter den vielen recht gleichförmigen Danksagungen stach die von Schlagzeuger Benny Greb heraus, der einen angeblichen Verhaltenskodex für ECHO-Gewinner verlas („Viertens: Desweiteren ist es verboten, die Trophäe auf Ebay anzubieten. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass darum aus Sicherheitsgründen ihr voller Name eingraviert wurde.“) Philip Catherine dagegen dankte seiner Mutter, seiner Schwester, seinen Ehefrauen („Es waren nicht sooo viele.“) und seinem Psychotherapeuten. Eine rundum überzeugende Lösung fanden die Veranstalter bei der Ehrung des verstorbenen Roger Cicero. Ein Einspielfilm, in dem der Sänger ausführlich zu sehen war, endete mit seiner Version des Beatles-Songs „The Long And Winding Road“, der dann nahtlos von seinen Bandmitgliedern samt Posaunist Nils Wogram live auf der Bühne fortgesetzt wurde.

Großen Applaus gab es schließlich für Wolfgang Dauner, der für sein Lebenswerk geehrt wurde. Laudator Jan Hofer lobte ihn als einen „Mann, der immer nach vorne schaut“, was Dauner auch gleich bestätigte: „Ich bin sehr überrascht, dass diese Ehrung so früh kommt, denn das Werk ist ja noch gar nicht abgeschlossen. Das war’s noch nicht. Ich mache weiter Jazz und andere Musik, bis ich den Löffel abgebe.“