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JAZZTHETIK LiveBeim 28. Jazzfest Gronau wurde dem Jazz als solchem wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Aber auch andere Stile kamen zum Zuge.

 Von Stefan Streitz. gronau© Stefan Streitz
Für einen impulsiven Auftakt sorgte die WDR Bigband mit der Fusion-Formation Steps Ahead. Die Kompositionen von deren Bandleader und Vibrafonisten Mike Mainieri waren bestens in die Arrangements des Big-Band-Leiters Michael Abene eingepasst. Besonders die messerscharfen Trompetensätze stachen hervor, dazu kamen raffinierte Soli von Karolina Strassmayer (sax), Shannon Barnett (trb) und Paul Heller (sax). Die Kombination aus Bläserpower, Ideenreichtum und einem modernen Fusion-Ansatz war für viele Zuhörer ein Leckerbissen. Gitarrist Chuck Loeb spielte soulig-funkig, Drummer Steve Smith bot ein interessantes Scat-Beat-Solo, und Mainieri ließ mit aller Eleganz die Schlägel übers Vibrafon flitzen. Ein Konzert, in dem die Harmonie zwischen den Protagonisten im Vordergrund stand.

Hier schloss Jan Garbarek mit seinem Quartett nahtlos an und bot satte zwei Stunden dichter Harmonien mit vertrauter Leichtigkeit und ruhigerer Passagen mit ausgedehnten Soli. Spektakulär war die rhythmische Differenziertheit im Spiel des indischen Perkussionisten Trilok Gurtu. Insgesamt ein vitales Konzert, das dennoch Raum für Tiefgang ließ. Zu den Höhepunkten für Jazz-Gourmets gehörten außerdem die Auftritte des Vater-Sohn-Duos Dauner & Dauner und des Michael Wollny Trios in der Stadtkirche. Improvisation, spielerische Finesse und freiere Harmonien setzten ein dickes Ausrufezeichen unter die ersten vier Tage des Jazzfests.

An den folgenden Abenden wurde der Begriff Jazz sehr weit gefasst und andere musikalische Genres rückten in den Mittelpunkt. Pop, Funk, Songs und Balkanmusik triggerten die Emotionen unmittelbar an und luden phasenweise zum Tanzen ein. Roger Hodgson bewies, dass die Musik seiner ehemaligen Band Supertramp auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer einstigen Faszination eingebüßt hat. „Einfach nur“ Funk und Spaß boten die Brand New Heavies sowie die ewig jung erscheinende Candy Dulfer aus den Niederlanden. Letztere setzt immer stärker auf den Gesang und bot in der Bürgerhalle ein Party-Feuerwerk, das auch durch eine kurze Erinnerung an den verstorbenen Superstar Prince keinen Stimmungseinbruch erlitt. Zum Finale sprachen Gregor Meyle und Sophie Hunger mit authentischen Songs im Pop-Sound vor allem das jüngere Publikum energetisch und emotional an. Unterm Strich musste man dem Festivalchef Otto Lohle ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung eines differenzierten und geschmackvollen Programms attestieren. So viel hochkarätige Musik unterschiedlichster Couleur hat es in Gronau lange nicht mehr gegeben.