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JAZZTHETIK LiveDie Messe Bremen, Veranstaltungsort der weltweit einzigartigen Fachmesse jazzahead!, wartete im Nachbericht wieder einmal mit Superlativen auf.

 Von Jan Kobrzinowski. jazzaheadOla Onabule © Stefan Pieper
Mit 969 ausstellenden Firmen und 2742 Fachteilnehmern ist die Zahl der Besucher aus der Branche erneut gestiegen. Die 40 Showcase-Konzerte lockten insgesamt rund 15.000 Besucher an. Bloße Zahlen werden dem Geschehen aber natürlich nicht gerecht. Die Atmosphäre war gewohnt familiär und an den Kerntagen Freitag und Samstag bisweilen recht wuselig. Es trifft sich, wer sich treffen soll, man tauscht Kontaktdaten, führt Interviews, übergibt Promo-Material, verabredet sich zum besten Kaffee am Österreich-Stand. Es ist zu spüren, dass eine Veranstaltung wie die jazzahead! von ihrem Potenzial lebt, vom dem, was prinzipiell möglich wäre. Das ist gut, solange man auch den Fakten und den drängenden Fragen der Zukunft des Jazz ins Auge sieht. Die Jazzszene auf der Bühne ist überwiegend jung, wie man an den Showcases sehen kann, aber wo bleibt z.B. der Nachwuchs aufseiten des Publikums? Immerhin, zum Thema „Jazz für Kinder“ plant man für 2017 ein Symposium.

Das diesjährige Partnerland, die Schweiz, zeigte sich offen und gefällig. Nicht nur, weil Schokolade verteilt und guter Weißwein ausgeschenkt wurde. Die Musiker präsentierten, insbesondere auf der Swiss Night, eine große Vielfalt schweizerischer Jazzlandschaft: innovativ-minimalistisch (Plaistow), stilbildend (Nik Bärtsch), unterhaltsam (Hildegard Lernt Fliegen), virtuos (Luca Sisera Roofer), lyrisch (Elina Duni), impressionistisch (Colin Vallon), groovig (pommelHORSE, Nicole Jo) und frei (Christoph Irninger), um nur einige Beiträge zu nennen. Darüber hinaus waren Kurzauftritte einer Fülle von interessanten, vorwiegend europäischen Bands zu sehen.

Auf dem großen Gala-Konzert, dem Gastland vorbehalten, launchte Nik Bärtsch die neue ECM-Produktion seiner Zweitbesetzung Mobile, und Andreas Schaerer konnte zeigen, dass seine Hildegard schon lange keine weiteren Flugstunden mehr benötigt. Beide Sets gerieten zu fantastischen Auftritten zweier Charismatiker in kongenialer Begleitung. Die Innovation, das Neue hatte bei den Showcases Platz – hier, im gediegenen Konzertsaal der Bremer Glocke, wurde bewährte Qualität geboten.

Bei der Clubnight, der Nacht der Live-Acts in ganz Bremen, sah man, dass es da auch noch die Musiker gibt, um deren Schicksal es ja eigentlich gehen soll. Einige von ihnen machten ihrem Unmut Luft, dass der Zugang zur Messe in diesem Jahr für Einzelbesucher erheblich teurer geworden ist. Klar, das Jazz-Business soll sich treffen, aber manchmal gewinnt man doch den Eindruck, dass viele der anwesenden Netzwerker, Journalisten, Promoter, Labelvertreter, Festivalmenschen im Laufe der Jahre auch ein wenig um sich selbst kreisen. Dennoch geht es immer weiter, und wenn das nicht so wäre, würde nicht nur den Jazzmenschen etwas fehlen, sondern wohl auch der Hansestadt Bremen und ihrer Messegesellschaft. Das Partnerland im kommenden Jahr wird Finnland sein. Wieder sitzt ein kleines Land mit einer äußerst lebendigen Jazzszene in den Startlöchern.