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JAZZTHETIK LiveMagdeburgs neues Jazzfestival weckte bei seiner Premiere Appetit auf mehr.

 Von Detlef A. Ott.magedeburgSun Ra Arkestra © Thomas Hohlbein
Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hat, abgesehen von sporadischen Konzerten, bisher kaum mit Jazz Schlagzeilen gemacht. Um dem Jazz mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, organisierten Jazzfreunde vom 14. bis 17. April mit dem Kulturzentrum Forum Gestaltung die 1. Jazztage. Künstlerischer Leiter war der Saxofonist Warnfried Altmann, der im Magdeburger Schauspielhaus die Konzertreihe „Jazz in der Kammer“ realisiert. Mit fünf Konzerten an drei Tagen begann man bescheiden, das Terrain für kommende Jazztage zu sondieren. Im Mittelpunkt des Programms stand die Trompete. Mit funkigen Soulklängen der Trumpet Night begannen die Jazztage mit den beiden herausragenden Trompetern Joo Kraus und Rüdiger Baldauf. Zwei weitere Konzerte boten Jazz aus Osteuropa: das Antoni Donchev Quartett aus Bulgarien und das Ganelin Trio mit dem seit Ende der 1980er Jahren in Israel lebenden Pianisten Vyacheslav Ganelin, dem Litauer Petras Vyshniauskas (ss) und dem Deutschen Klaus Kugel (perc), bereichert durch den Trompeter Reiner Winterschladen.

Als Roy Hargrove sein Konzert wegen schwerer Erkrankung absagen musste, hatten die Macher Glück im Unglück: Das legendäre Sun Ra Arkestra hatte während einer kurzen Europatournee einen freien Tag und konnte für die Jazztage gewonnen werden. Dazu kamen die elf (größtenteils betagten) Mitglieder der Band eigens von London nach Magdeburg und gaben – wenn auch im Glauben, in Leipzig zu spielen – ihr einziges Deutschlandkonzert. Trotz der Tour de Force zelebrierten sie ein zweistündiges hoch energetisches Konzert und versetzten das begeisterte Publikum im biederen Ambiente des Gesellschaftshauses in eine Parallelwelt. Das seit mehr als 50 Jahren tourende Ensemble schlug einen weiten Bogen von Fletcher Henderson bis zum Bebop und avantgardistischen Sphärenklängen. Den 92-jährigen Spiritus Rector Marshall Allen, der das Arkestra seit Sun Ras Tod im Jahr 1993 weiter auf dessen intergalaktischer Mission leitet, kann man nur bewundern. Mit unfassbarer Kraft und tiefer Spiritualität führt er die Band, steigert sich solistisch, das Altsaxofon mit der rechten Hand wie ein Gitarre behandelnd und ihm schrille, unter die Haut gehende Töne entlockend, aus einem langsamen und gefühlvollen Blues in sphärische Höhen. Musik für Augen und Ohren mit akrobatischen und tänzerischen Einlagen, einer großartigen Sängerin Tara Middleton und Solisten, die viel Freiraum haben. Eine Sternstunde des Jazz, der man ein ausverkauftes Haus gewünscht hätte.

Vielleicht spricht es sich herum, dass es sich lohnt, die Bemühungen um mehr internationales Flair in Magdeburg zu unterstützen und die Jazztage, die schließlich mit einem Matinee-Konzert des 17-köpfigen Hannes Zerbe Jazz Orchesters Berlin endeten, als festen Termin in einer Stadt zu etablieren, die sich in den kommenden Jahren als Kulturhauptstadt Europas 2025 bewirbt.