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JAZZTHETIK LiveEinfach mal ausprobieren, ist einer der Grundsätze, die das We Jazz so besonders und sympathisch machen.

Von Christoph Giese.we jazz dalindeo c we jazzDalindèo © we jazz
Man hatte es irgendwie schon geahnt. Vor allem der Beginn des Konzerts des schwedischen Saxofonisten Otis Sandsjö und seiner beiden finnischen Freunde, von Tastenmann Aki Rissanen und Schlagwerker Tomi Leppänen, war eine einzige Klangsuche. Und auch eine Suche nach einem gemeinsamen Strang, an dem entlang sich improvisieren und ausprobieren lässt. Die kleine Kaffeebar Sävy war knallvoll mit interessierten Zuhörern bei dieser Suche, die im Verlauf des gut einstündigen, durchgehend gespielten Sets glücklicherweise doch einige spannende Momente bereithielt. Mit dem stoischen Motoriker Leppänen, mit gesampelten Drumbeats sowie Soundspielereien von Aki Rissanen, mit den dank Zirkularatmung nie enden wollenden Saxofongirlanden des Bandleaders. Es war der allererste Auftritt der drei, und abgesprochen war zuvor nichts, versicherte später Aki Rissanen. Und eben das hatte man geahnt.

Aber so ein Konzert passt prima in das Konzept von We Jazz. Das erfrischende Festival probiert einfach vieles aus. Etwa Konzerte in eigentlich zu kleinen Locations wie dem Sävy oder dem Genelic House, eigentlich die Büroräume einer Lautsprecherfirma. Intimität, nah dran sein, hautnah die Musik spüren – das ist den Festivalmachern um Matti Nives wichtiger, als mehr Tickets verkaufen zu können. Finanziell ein kleiner Wahnsinn, konzeptionell eine mutige und überzeugte Haltung.

Auch ein ehemaliges Irrenhaus war dieses Jahr ein Spielort des Festivals. Irre waren teils die Installationen, die zwischen den Konzerten in kleinen Räumen zu sehen waren. Eine kleine Kunstgalerie stellte mit OK:KO eine junge finnische Band um den Schlagzeuger Okko Saastamoinen vor, die ihr Potenzial auf jeden Fall andeutete. Und in einem schicken, top ausgestatteten neuen Liveclub durften Oddarrang ihren dramatischen, pompösen postrockjazzigen Sound in aller Ruhe und klanglich top aufbereitet ausbreiten.

Ein feines Konzert lieferten die drei Norweger von Huntsville ab, die es verstehen, mit ihren experimentellen und hypnotischen Soundmanipulationen und langsam aufbauenden Klangwelten immer eine ganz eigene Stimmung zu kreieren. Direkt danach die Finnen von Dalindèo auf die gleiche Bühne zu stellen, war ein interessanter Kontrast. Denn das Sextett um den Leader und Gitarristen Valtteri Laurell Pöyhönen drehte die zuvor geschaffene Atmosphäre mit Surf-Gitarre und schwungvollem, bisweilen cineastischem Swing in ein durchgängiges Gute-Laune-Partyfeeling. Spielwitz bewiesen auch Mikko Innanen 10+. Dieses Orchester des Saxofonisten mit gleich zwei Bassisten, zwei Schlagzeugern und illustren Namen des finnischen Jazz besetzt, verstand es im Andorra-Theater glänzend, ausgefallene Improvisationskunst mit Augenzwinkern und Humor zu kombinieren.

Es ist diese Vielfalt, in jeglicher Hinsicht, mit einer starken Berücksichtigung der finnischen Jazzszene, die We Jazz ausmacht. Auch im vierten Jahr.