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JAZZTHETIK LiveDer rote Teppich war mal wieder ausgerollt, die Bühne auf Hochglanz poliert, Übertragungs- und Beleuchtungstechnik in Stellung gebracht, wie sie im Jazzbereich nicht selbstverständlich ist – alles war vorbereitet für eine feierliche, unterhaltsame ECHO-Jazz-Gala.


Von Guido Diesing
.Lucia Cadotsch
Am Ende ging alles glatt über die Bühne, doch die ganz großen Momente fehlten ein wenig. Hatte der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda in seiner Begrüßungsrede noch die revolutionäre Kraft des Jazz beschworen, war während der Gala wenig Aufrüttelndes, aber viel Routine zu erleben. Götz Alsmann und Nils Landgren sprühten als Moderatoren nicht gerade vor Originalität, und viele der Geehrten kannten das Prozedere ohnehin. Musiker wie Michael Wollny (neunter ECHO) oder Lars Danielsson (dritter ECHO in Folge) haben den Termin der jährlichen Gala vermutlich schon fest im Kalender geblockt. Joachim Kühn, der seinen vierten Preis entgegennahm, witzelte: „Ich hoffe, ich komme bald wieder. Ich möchte Michael Wollny nacheifern. Ich fange langsam auch an, diese Dinger zu sammeln.“

powered by jazzthetik smallDie Dankesreden der Geehrten gingen nur selten über die pflichtbewusste Aufzählung von Familienmitgliedern, Mitmusikern, Tontechnikern, Agenten und Labelmitarbeitern hinaus. Ein Drinking Game mit einem Schnaps für jede Erwähnung von ACT-Chef Siggi Loch hätte wohl lebensbedrohliche Folgen gehabt. So blieben Momente rar, die über das Erwartbare hinausgingen und im Gedächtnis blieben, etwa der Dank der als beste Newcomerin geehrten Anna-Lena Schnabel an alle, die ihr in schweren Zeiten der Wohnungslosigkeit ein Sofa als Schlafplatz angeboten haben. Oder Arne Jansens Erinnerung an ein Konzert in einer AIDS-Klinik, das ihm vor Augen geführt habe, warum er überhaupt Jazz mache und liebe.

Die Liveauftritte während der Show hatten durchgehend hohes Niveau. Peter Lohmeyers Kalkül, als er als Laudator angefragt wurde, da könne man sicher „für lau supergeile Mucke hören“, ging auf. Faszinierend, wie Joachim Kühn und Emile Parisien es schafften, das kleine Vier-Minuten-Fenster, das ihnen der Ablaufplan zubilligte, mit Leben und Kreativität zu füllen. Interessant, wie sich das aus vier Preisträgern zusammengestellte ECHO Jazz All Star Quartett mit Frederik Köster (tp), Arne Jansen (g), Eva Kruse (b) und Diego Piñera (dr) zu einem gutgelaunten Fusion-Stück zusammenfand. Höhepunkt des Abends war wie gewohnt die Ehrung für das Lebenswerk inklusive stehender Ovationen des Saalpublikums. Diesmal wurde beides Klaus Doldinger zuteil, der mit herzlichen und persönlichen Worten von Sänger Max Mutzke auf die Bühne gebeten wurde: „Du hast so viele Momente meines Lebens bereichert und emotional geleitet wie sonst vielleicht noch meine Mutter.“ Doldinger setzte dann auch mit Passport und Mutzke einen gefälligen musikalischen Schlusspunkt, ganz im Sinne von Götz Alsmanns Schlussfazit mit Blick auf die Fernsehzuschauer: „Ich hoffe, dass wir nicht nur zu den Bekehrten gepredigt haben.“