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JAZZTHETIK LiveCircular Breathing ist bei Jazz in E. nicht nur dann die Betriebsart, wenn mit Evan Parker ein Großmeister der Zirkularatmung auf der Eberswalder Bühne steht.



powered by jazzthetik smallVon Thomas Melzer.Evan Parker   Torsten StapelEvan Parker © Torsten Stapel

In der Rotunde des Paul-Wunderlich-Hauses fließt der Luftstrom des Festivals an vier Abenden im Kreis, was den Saal stets zum geschützten Raum macht, gelegentlich auch zum Auge des Orkans. Der 23. Festivaljahrgang erkor den Atem nun gar zu seinem konzeptionellen Motto, freilich im übertragenen Sinne – es waren nicht nur Bläser und Sänger eingeladen. Die beinahe sichere Aussicht auf vier ausverkaufte Abende und nahezu 50 Prozent Festivalpassbesitzer erlaubte in diesem Jahr zudem eine programmatische Zuspitzung – die erste Stunde eines jeden Abends gehörte einem Solisten, der zweite Konzertteil dann einem Ensemble. Bereits der Blick auf die vier Solisten ließ erahnen, welche musikalischen Welten sich dem Dauerbesucher offenbaren würden: Der Schweizer Julian Sartorius eröffnete das Festival mit einem der Effekthascherei völlig unverdächtigen Kind-im-Manne-Schlagzeugkonzert, für das er vom Publikum heftig gefeiert wurde. Besagter Evan Parker, inzwischen 73 Jahre alt, clusterte auf seinem Saxofon noch immer in beeindruckender Dichte und Intensität. Clemens Christian Pötzsch, ein junger Weltenbummler sorbischer Abstammung, spielte am Flügel ein so ergreifendes Konzert, dass viele Besucher am Ende hier ihren Festivalhöhepunkt markierten. Mit der Norwegerin Sidsel Endresen stand schließlich noch eine Fürstin der freien Vokalmusik auf der Bühne und kontrastierte die ausgestellten Skizzen des Eberswalder Malerfürsten Paul Wunderlich mit ihren Lautmalereien und Klangcollagen.

Nach Konzerten der kraftvollen Formation Shake Stew, der kürzlich erst mit dem ECHO Jazz gewürdigten Lucia Cadotsch und ihrer Band Speak Low sowie Pitsch  Torsten StapelPitsch © Torsten Stapeldem Wiener Trio Trara wurde im Finale dann noch einmal inbrünstig gesungen und gespielt. Max Andrzejewski stellte in Eberswalde sein neues Projekt vor: Hütte & The Homegrown Organic Gospel Choir machen Lieder ausschließlich übers Essen. Hier bekam Jazz in E. – mit seinem angestammten Kalenderplatz zwischen Himmelfahrt und Pfingsten schon je ein „geistliches“ Festival – den adäquaten Soundtrack: ein Halleluja der guten Butter! You are what you eat. Eine schwelgende Hochmesse der Sinnlichkeit. Wenngleich es verwunderte, dass hier 14 Musiker um die 30 ein Thema variierten, das landläufig als Sex des Alters gilt.

Die sinnliche Qualität des Festivals am Rande Berlins und der Schorfheide hat sich offenbar herumgesprochen. Musiker wie Julian Sartorius oder Sidsel Endresen kommen gern schon einen Tag früher oder bleiben einen Tag länger. Zum traditionellen Open Air am Samstagmorgen erschienen in diesem Jahr erneut viele Familien mit Kindern und erlebten die Posaunen-Perkussionisten-Kollaboration Wind & Erde, die anfangs vom Backsteinturm der Maria-Magdalenen-Kirche musizierte. Das rbb-Kulturradio hat in diesem Jahr gleich drei Konzertabende zur baldigen Ausstrahlung mitgeschnitten.