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JAZZTHETIK LiveAuch in diesem Jahr glitzerten beim Berliner Ableger des Festivals Jazzdor einige Konzerte wieder wie Gold.




powered by jazzthetik smallVon Peter Bastian.Quatuor ixi u. MelanoiaQuatuor IXI © Peter Bastian

Das Quartett Post K musste statt mit acht zwar mit nur sieben Armen auskommen, doch das tat dem Auftaktkonzert keinen Abbruch. Matthieu Naulleau gab am Klavier auch mit einem Arm alles – der andere ruhte gebrochen in einer Schlinge – und überzeugte mit seinen Kollegen Jean und Benjamin Dousteyssier an Klarinetten und Saxofonen und Elie Duris (dr) mit modernen Bearbeitungen von Songs aus den 20er und 30er Jahren. Out of Land hingegen, die angebliche „Traum-Formation des europäischen Jazz“, gefällt vielen in ihren Einzelteilen besser. Émile Parisien (ss), Vincent Peirani (acc), Michael Wollny (p) und Andreas Schaerer (voc) haben zwar jeder für sich an ihren Instrumenten Grenzen ausgelotet und spielen auch im Quartett auf hohem Niveau, aber eine Traum-Formation wird trotzdem nicht gleich daraus.

Auch in den feinfühligen Stücken aufregend war das Duo You Don’t Know What Love Is von Sophia Domancich (p) und Simon Goubert (dr). Die beiden Virtuosen kommunizierten auf ihren Instrumenten mit unerschöpflicher Kreativität und waren ein schöner Auftakt für den zweiten Tag. Kalle Kalima (g) lud in sein Trio Finn Noir mit Oliver Potratz (b) und Oliver Steidle (dr) den französischen Posaunisten Yves Robert ein. Dieser tauchte wunderbar in das musikalische Universum des Trios ein. Von Louis Sclavis ist man seit 40 Jahren nichts anderes als Qualität gewöhnt. So auch wieder mit seiner neuen Band Loin dans les Terres, in der er seinen alten Weggefährten Dominique Pifarély (vio) und die jüngeren Benjamin Moussay (p), Sarah Murcia (b) und Christophe Lavergne (dr) vereint. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt von Elise Caron (voc) und Edward Perraud (dr). Ihre Musik ist angenehm verstörend und verrückt, klingt mal nach bedrohlichen Außerirdischen, mal nach faszinierendem improvisierten Jazz. Gebhard Ullmann kombinierte in BassX3 seine Bassflöte und -klarinette mit zwei weiteren Tieftönern, den Kontrabassisten Chris Dahlgren und Hélène Labarrière. Seit 20 Jahren spielt Marc Ducret (g) mit Bruno Chevillon (b) und Éric Echampard (dr) recht rockigen Jazz. In Métatonal fügt er dem Trio mit Fabrice Martinez (tp), Christophe Monniot (sax) und Samuel Blaser (tb) jazzige Bläser hinzu. Auch seine Bob-Dylan-Bearbeitungen gerieten zu wunderbarer Musik.

Den gesamten Raum des Kesselhauses bespielte das Quatuor Machaut mit seinen vier Saxofonen. Quentin Biardeau interpretierte Guillaume de Machauts „Messe de Nostre Dame“, geschrieben vor 600 Jahren für Männerstimmen, als ein viele Sinne ansprechendes Stück Musik. Das Quartett von Gilles Coronado (g) hatte bei jedem Stück äußerst interessante Explosionen zu bieten, die immer von ruhigen Intros ausgingen. Der Bandleader und Matthieu Metzger, Antonin Rayon und Franck Vaillant an Saxofon, Klavier und Schlagzeug lieferten dazu mitreißende Soli. Noch ein Quatuor, dieses Mal namens IXI und bestehend aus Streichern, trat am Schluss des Festivals auf und traf auf Melanoia, das Quartett des Schlagzeugers Dejan Terzic. Gemeinsam ließen sie bei dem Konzert, das ganz dem Motto des Festivals entsprach, deutsche und französische Musiker zu kombinieren, wilde, raue, spannende Musik entstehen.