Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

JAZZTHETIK LiveDie 24. Auflage zeigte die Jazzopen mit sechs Bühnen sowohl urbaner als auch breiter aufgestellt denn je: Neben der Hauptbühne auf dem Schlossplatz wurde erstmals der Innenhof im Alten Schloss bespielt.



powered by jazzthetik smallVon Jochen Reuter.Benson,George KumpfGeorge Benson © Hans Kumpf

Unter dem Motto „Be JAZZ, be OPEN“ stand auch wieder reichlich Rock und Pop auf dem Programm.

Jamie Cullum und der Schlossplatz – das ist fast schon eine Liebesbeziehung. Bereits zum vierten Mal gastierte der Brite im Ehrenhof des Neuen Schlosses. Dass die Eröffnung der Hauptbühne lange im Vorfeld mit 6500 Besuchern ausverkauft war, mag auch auf das Konto von Norah Jones gegangen sein, die vor dem Auftritt des quecksilbrigen Entertainers ihr Jazzopen-Debüt gab. Eine Konstellation, die zumindest hinsichtlich ihrer Zugkraft nur schwer zu toppen sein dürfte – beide spielen Jazz als Popmusik und erobern damit Charts jenseits der Genre-Ghettos. Ansonsten waren ihre Sets wie zwei Seiten einer Medaille: Wo Jones introspektiv zurückgenommen ihre balsamischen Songs präsentierte, konzentrierte sich Cullum darauf, als exaltiertes Energiebündel über die Bühne zu fegen und die Menge zu rocken. Eine Übung, die tags darauf auch Jan Delay beherrschte, selbst wenn sein Auftritt mit Disko No. 1 im Gegensatz zum Support-Act Trombone Shorty keinesfalls Jazz, dafür aber reichlich Funk, Soul und Reggae zu bieten hatte. Tom Jones beeindruckte als stimmstarker Interpret und Entertainer alter Schule. Die „Bluesrock-Night“ war mit Beth Hart und Steve Winwood gut besetzt, Veteran Buddy Guy in blendender Verfassung.

In einer exklusiven Gala mit Quincy Jones hinterließen insbesondere die reife Stimme von Dee Dee Bridgewater, aber auch ein routinierter George Benson und ein geradezu fragil wirkender Jacob Collier Eindruck, während die SWR Big Band und das Stuttgarter Kammerorchester die Arrangements des Meisters zum Leuchten brachten. Dass die aufwendige Eigenproduktion dennoch nicht mehr als die Summe der exquisiten Teile werden wollte, war vielleicht auch der nahezu auf die Rolle des Conférenciers beschränkten Einbindung von Jones geschuldet.

Auf der Bühne des Bix-Jazzclubs begeisterten die britische Combo Dinosaur und die belgische Singer-Songwriterin Sarah Ferri. Jazzige Höhepunkte waren Auftritte der Quartette von Wayne Shorter und Chucho Valdés in der Liederhalle und das Preisträgerkonzert zur Verleihung der German Jazz Trophy an Abdullah Ibrahim im SpardaWelt Event Center. Von der stimmungsvoll illuminierten historischen Kulisse des Arkadenhofs im Alten Schloss spürbar beflügelt und inspiriert, gab Herbie Hancock ein Quintett-Konzert für die Geschichtsbücher. Auch die Auftritte von Kamasi Washington und Lee Ritenour mit Dave Grusin gerieten zu Highlights. Mutig und klug programmiert war das Nachmittagskonzert von Jason Moran in der Domkirche St. Eberhard, einige Überschneidungen wirkten dagegen unglücklich: Wer zu Kamasi Washington ging, konnte nicht gleichzeitig Michael Kiwanuka im Ludwigsburger Scala hören, wo anderntags Chilly Gonzales spielte. Mit 34.000 Zuschauern und einer Gesamtauslastung von 90 Prozent wurde der Besucherrekord des Vorjahres zwar knapp verfehlt, die Erwartung der Veranstalter aber erfüllt.