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JAZZTHETIK LiveYstad wächst. Um einen Tag wurde das Festival auf sechs verlängert und umfasste jetzt 46 Konzerte mit den zugänglicheren Arten des Jazz.



powered by jazzthetik smallVon Frithjof Strauß.Hiromi by Markus FaegerstenHiromi © Markus Fägersten
Zur Eröffnung feierten 1500 Zuschauer fast vier Stunden lang Monica Zetterlund, die dieses Jahr 80 geworden wäre, hätte sie nicht im Bett geraucht. Sie war die erste, die Jazz auf Schwedisch sang. Unter den vielen sie huldigenden Künstlern verkörperte am ehesten der gleichaltrige Sänger Svante Thuresson ihren Spirit. Abwegig wurde es dagegen mit dem Promi-Crooner Tommy Körberg, dessen Schmalz sich weder mit Repertoire noch Ästhetik von Monica Z deckte.

Statt Eventcharakter zu inszenieren, sind Ystads Konzerte Herzensangelegenheiten von Veranstalter und Publikum. Das lernt man in Schweden schon früh. Beim Kinderjazz kullern die Musiker von Fri Luft mit ihren Instrumenten auf dem Boden, so dass die kleinen Tommys und Annikas vergnügt quietschen. „Und kennt ihr das Mädchen, das in Schweden so toll Jazz gesungen hat? M... ?“ „Monica!“, rufen die Lütten. Jan Lundgren, der künstlerische Leiter, kündigt jedes Konzert an und ist bei manchen als Klaviergast zu hören. Sein Duo mit Nils Landgren war besonders nachgefragt. Weil die beiden Kumpel so viel Spaß hatten, gerieten ihre Kabinettstückchen schnell zu Kabarettstückchen. Lundgrens melodische Ausrichtung wurde in seinem Quartett von Jukka Perko mit Desmond-Ton am Altsax fein ergänzt. Der holländische Pianist Louis van Dijk spielte rührend beglückend mit Drive und Geläufigkeit. Neoromantisch am Klavier dagegen Bugge Wesseltoft, dessen Wellness nervig wurde, als er Stücke eines geplanten Sequels seines erfolgreichsten Albums It’s Snowing on My Piano vorstellte: „Bridge Over Troubled Water“ und „Blowin‘ in the Wind“ – Trivialmusik quälend reduktionistisch intensiviert. Und dann sagte er noch selbst, dass bei seinen Snowing-Konzerten die Leute oft zu schnarchen anfangen.

Alles wurde in den Schatten gestellt vom Duo der japanischen Pianistin Hiromi mit dem kolumbianischen Harfenisten Edmar Castañeda. Extrem funky und schnell hackten beide in ihre Instrumente, slammten die Stile von Waller bis Pastorius und warfen einander musikalische Ungeheuerlichkeiten zu. Wenn sie dabei verzückt über ihre gegenseitigen Einfälle lächelten, sahen sie aus wie zwei selige Kinder. Das Theater jubelte nicht, es schrie.
Das Sommerglück perfekt machte das vom Festival bestellte, von Nicole Johänntgen international zusammengestellte Septett SOFIA II. Die sukzessiv aufbauenden Stücke sonnten sich in Grooves von Samba, Rumba und Musette Neuve, und wenn man danach rausging, lag die blaue See direkt vor der Tür. Und die Swinemünde-Fähre, die in Wallanders Tagen Fieslinge und gepanschtes Crack ausspuckte, brachte auf Initiative des Stettiner Saxofonisten Sylwester Ostrowski das wohl gelungenste Ella-100-Projekt: Beflügelt von 20 balsamischen Streichern aus Breslau, stand Deborah Browns Gesang in Sachen Scatting und Vibrato der Jubilarin in nichts nach.