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JAZZTHETIK LiveAusverkauft schon vor Beginn – davon träumt jedes Festival. Otmar Klammer hat das mit seinem Jazzfestival Leibnitz bei der fünften Ausgabe geschafft.

 


powered by jazzthetik smallVon Christoph Giese.leibnitz PETER PURGAR Émile Parisien, Louis Sclavis © Peter Purgar
Schon vor dem ersten Ton gab es keine Tickets mehr für das viertägige Event in der Südsteiermark zu kaufen. Es hat sich herumgesprochen, dass der Journalist aus Graz, der dort das ganze Jahr auch Konzerte im Jazz-Etablissement Stockwerk veranstaltet, ein feines Händchen hat, wenn es darum geht, ein stimmiges Programm zusammenzustellen. Das zeigte schon der Auftaktabend, der im 300 Jahre alten Bischöflichen Weinkeller des oberhalb von Leibnitz gelegenen, imposanten Schlosses Seggau stattfand. Ein wenig kühl ist es in dem Keller. Heizstrahler sorgen für Wärme, aber auch die Musik des Tori Freestone Trios. Die Londoner Tenorsaxofonistin und ihre Kollegen an Bass und Schlagzeug lassen geschickt dann und wann Folkanleihen in ihre sperrigen und dabei doch flüssigen jazzigen Improvisationen einfließen. Das Trio des französischen Tubaspielers Yves Robert experimentierte anschließend geschickt mit Elektronik, die sich wunderbar mit der handgemachten Virtuosität der drei Musiker verband. Auch hier führte Sperrigkeit schließlich zu einem Hörerlebnis, mit herrlich groovenden Momenten, die am Ende sogar afrikanisches Feeling verströmten.

Soweto Kinch hatte es am zweiten Abend im Kulturzentrum Leibnitz nicht ganz so leicht. Forderte der Saxofonist und Wortkünstler das Publikum doch mehrmals auf, beim Singen mitzumachen. Ein wenig schüchtern reagierte der Saal. Rasanten Bebop und HipHop kreuzt der Brite in seinem Programm, das dadurch interessant, aber nicht immer homogen wirkt. Auch wenn das Trio die teils sozialkritischen Texte von Kinch mit coolen Beats unterfüttert. Anspruchsvoll auch der Auftritt der Band Sexmob um den Slide-Trompeter Steven Bernstein. Die vier Herren dieses schon 20 Jahre bestehenden Quartetts musizieren scheinbar aus dem Moment heraus mit spürbar großem Vergnügen. Bernstein liefert sich mit Briggan Krauss (as) heiße Gespräche, wunderbar angetrieben von Tony Scherr (b) und Kenny Wollesen (dr). Sexmob winden und wenden sich, improvisieren und überraschen. Ein köstlicher Hörspaß.

Das gilt auch für eine relativ neue Formation, die erst wenige gemeinsame Konzerte gespielt hat. Das Émile Parisien Quartet hat sich Landsmann und Klarinettist Louis Sclavis dazugeholt. Die Österreich-Premiere in Leibnitz bot virtuosen, wagemutigen, komplexen, leidenschaftlichen, freigeistigen Jazz, der nie angestrengt rüberkam. Das galt auch für die nach zehn Jahren Pause nun wiedervereinte Kultband Café Drechsler. Das Wiener Trio lud mit groovendem, allerdings recht monotonem Club-Jazz zu einem Late-Night-Konzert mit Bewegungsanimation in den Marenzikeller, einen kleinen, sehr atmosphärischen Kellerclub, der erstmals Spielort des Festivals war.

Der abschließende Jazzbrunch am Sonntagmorgen stand wie schon im Vorjahr unter guten Vorzeichen. Ein strahlend blauer Himmel erwartete das Publikum an einem wundervollen Weingartenhotel auf dem Berg. Das Berliner Quartett Die Enttäuschung forderte zwar mit seinen verqueren Klängen, aber das Leibnitzer Publikum mochte das offensichtlich und erklatschte sich fleißig Zugaben.