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JAZZTHETIK LiveMehr als 280 Delegierte aus 43 Ländern versammelten sich Ende September im Cankarjev Dom Kultur- und Kongresszentrum im slowenischen Ljubljana zur 4. Europäischen Jazzkonferenz des European Jazz Network (EJN).

Von Christine Stephan.23501017388 5b7f04bebe oEve Risser, Kaja Draksler
Dabei handelt es sich um die Hauptversammlung des EJN, einer Vereinigung von Promotern (Festivals, Clubs und Agenten), die Ende der 80er Jahre gegründet wurde. Das European Jazz Network wird von der EU gefördert und trifft sich alljährlich in einer anderen europäischen Stadt.

In diesem Jahr bot das viertägige Treffen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neben einer Reihe von Arbeitsgruppen und Networking-Sessions auch ganz konkretes Anschauungsmaterial zum Thema Migration. Musiker wie Rabih Abou-Khalil, Bojan Z. und die malische Singer-Songwriterin Rokia Traoré erzählten beispielhaft ihre Lebens- und Integrationsgeschichten. Das Thema der Konferenz lautete „What if...“, wurde vor allem durch einen konzentrierten Erfahrungsaustausch geprägt und zielte auf die Entwicklung neuer Projekte und Kooperationen sowie Solidaritäts- und Anreizpartnerschaften unter den Beteiligten. In die Diskussionen eingebunden waren auch Profis aus der Musikbranche, die ihr Fachwissen teilten und Anregungen gaben, welche Möglichkeiten es gibt, Kulturarbeit und potenzielle Kooperationen zu entwickeln. EJN-Aktivitäten zur Genderbalance, zu Themen wie „Jazz und Jugendliche“, „Soziale Eingliederung durch Musik“, „Digitale Hilfsmittel für die Publikumsbeteiligung“ wurden in Arbeitsgruppen diskutiert. Die Gelegenheit, europäischen Kollegen zu begegnen, um den eigenen Horizont zu erweitern und perspektivisch aus der provinziellen Logik herauszukommen, wurde lebhaft ausgenutzt. Der Vergleich verschiedener Programmiererfahrungen lieferte vielen Teilnehmern wertvolle Anstöße, auf welchem Wege sich die Publikumsbindung stärken lässt.

Es wurde deutlich, dass die Arbeit des EJN weit über die berechtigte Klage über die Verknappung finanzieller Mittel hinausgeht. Konstruktive Projekte etwa zur Einbeziehung benachteiligter Bürger, Programme, in denen Kinder mit Jazz vertraut gemacht werden, und der Austausch über den Umgang mit neuen Technologien helfen dabei, den Horizont zu erweitern und nicht nur auf eigene Erfahrungen zu schauen. Ein Showcase-Festival im Rahmen der Tagung präsentierte die Vielfalt der slowenischen Musikszene und stellte den Delegierten interessante Projekten vor: Maja Osojniks ZSAMM, Drago Ivanušas La bête humaine, Artbeaters, Bowrain, Feminisiert.Science.Deniers (Igor Lumpert, Eve Risser & Dré Hočevar), Kristijan Krajnčans Drummingcellist, Teo Collori & Momento Cigano. Es war ein wilder Ritt von Bach bis zur Elektronik, von Arvo Pärt und Carla Bley bis hin zu freier Improvisation. Zu einem sehr intensiven Konzerterlebnis wurde To Pianos mit Eve Risser und Kaja Draksler.

Die nächste europäische Jazzkonferenz findet vom 13. bis 16. September 2018 in Portugals Hauptstadt Lissabon statt.