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J01 purpleHerbstzeit ist Jazz-Zeit im oberschwäbischen Ravensburg: Zum 14. Mal lockte der Verein Jazztime Musiker aus aller Welt ins Schussental.

 


powered by jazzthetik smallVon Dietmar Hutzel.Mutzke 3Max Mutzke © Hans Buerkle

Überraschend jazzarm verlief der Auftakt im altehrwürdigen Konzerthaus der Stadt. Max Mutzke und seine holländische Begleitcombo monoPunk boten einen Mix aus radiotauglichen Soulpop-Songs. Seine Ausflüge in jazzige Gefilde wichen einem beatlastigen Gesamtsound, den das textsichere Publikum begeistert abfeierte, als wolle es den Südbadener mit der wandelbaren Stimme zu einer neuerlichen Bewerbung für den nächsten ESC in Portugal bewegen. „Challenging Music“ versprach Schlagzeuger Simon Phillips zu Beginn des Auftritts mit seiner Band Protocol IV. Und herausfordernd war nicht nur der Aufbau des bühnenfüllenden Drumsets. Der gesamte Abend entwickelte sich zu einer gigantischen Leistungsschau des Meisterdrummers, zu dem seine jungen Mitstreiter an Gitarre, Bass und Keyboards viel zu selten eigene Ideen beisteuern durften. Insgesamt eine Zeitreise in die Fusion-Urzeit.

Festival-Höhepunkt war der Auftritt des Duos Iiro Rantala und Ulf Wakenius. Augenzwinkernd starteten der finnische Pianist auf seinem schwarzen Schimmel und sein kongenialer schwedischer Partner an der E-Gitarre mit einer Hommage an Helsinki zu einer Weltreise: vom sachersüßen Wien bis ins tiefgekühlte Palma de Mallorca. Ergreifend ihre Erinnerung an den großen Esbjörn Svensson. Humorvoll, wie sie ihrem strengen Uniprofessor mit Interpretationen von Coltrane und Parker ein herzliches „Fuck you!“ hinterherriefen. Charmant, wie sie die Zuhörer mit einer Carmen-Variation zum Mitraten und mit dem Beatles-Klassiker „All You Need Is Love“ zum Mitsingen animierten.

Eine Entdeckung bot die Matinee am Samstag mit dem Auftritt der heuer gegründeten Formation Archie Banks aus Stuttgart um den tollen Trompeter Robert Giegling. Zusammen mit dem formidablen Sänger und Rapper Calvin Bynum boten sie einen energiegeladenen Gig mit eigenen Stücken und HipHop-Klassikern, der manch einen Besucher von seinem Weißwurstfrühstück aufspringen ließ. Den größten Besucherzuspruch erlebte die zweite holländische Band des Line-ups. Candy Dulfer verwandelte zum Abschluss ihrer Europatournee das Konzerthaus in einen brodelnden Tanzpalast. Herrlich radebrechend dirigierte die Saxofonistin ihre fulminante Band, verstärkt um Special Guest Chance Howard aus dem Prince-Kosmos, durch den Auftritt, der genau das Gegenteil vom Lieblingssong des Unvergessenen („Cool“) war: very, very hot!

In der evangelischen Stadtkirche endete das Trans4 mit dem Auftritt des Trompeters Paolo Fresu und seines sardischen Landsmanns Bebo Ferra an der Gitarre. Unterlegt von Fresu Ferra 1Bebo Ferra, Paolo Fresu © Hans Buerkleminimalen elektronischen Effekten verzauberten die beiden mit Interpretationen von Volksliedern und religiösen Weisen ihrer Heimat. Dieser stimmungsvolle Ausklang steigerte die Vorfreude auf das Landesjazzfestival Baden-Württemberg, das 2019 in Ravensburg stattfinden wird. Und natürlich nächstes Jahr wieder im November: das Trans4JAZZ-Festival 2018.