Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

J01 purpleÜber 70 Veranstaltungen, davon 58 Konzerte, mehr als 20.000 Besucher – damit hat Enjoy Jazz, das Festival für Jazz und Anderes, wieder mächtig von sich reden gemacht und sein Publikum begeistert.




powered by jazzthetik smallVon Rainer Köhl.Appleton Dephazz photo schindelbeckPat Appleton / Dephazz © Frank Schindelbeck

Für den Avantgarde-Jazz hat Festivalleiter Rainer Kern ebenso ein großes Herz wie für Altstars und wenig bekannte Newcomer, die er an bewährten Spielstätten in der Metropolregion Rhein-Neckar präsentierte.

Mit seinem neuen Großprojekt States of Play, das zehn Musiker vereint, ging Sebastian Gramss daran, die musikalische Architektur seiner Kompositionen zu zerlegen und neu zusammenzusetzen. Dabei ergaben sich vielschichte Überlagerungen. Auskomponierte, arrangierte Passagen wechselten mit freien Improvisationen, und an spannenden Stilwechseln gab es gleichfalls so manches. Der verdiente SWR-Jazzpreisträger Christian Lillinger musizierte mit dreien seiner Formationen. Im Septett Grund reizte er die Doppelbesetzungen der Instrumente faszinierend aus. Mit starker Kommunikation und fesselnden Duos überzeugten die beiden Saxofonisten ebenso wie die je zwei Bassisten und Harmonieinstrumente. Seine hohe Virtuosität in der Auffächerung komplexer, fein nuancierter Klänge und Rhythmen brachte Lillinger dabei zu großer Kunst. Erst recht fesselnd, als er sich mit dem Vibrafonisten Christopher Dell atemberaubend feinstrukturierte Duelle lieferte.

Energiereiche Vermengung der Stile, Funk, Swing, Hardbop, HipHop und Avantgarde – der Pianist, Komponist und Bandleader Vijay Iyer ist vielem gegenüber aufgeschlossen, saugt die Klänge unserer Zeit und der Vergangenheit interessiert auf, um sie in seinen komplexen Klangkosmos einzubauen. Oft geben hymnische Bläserthemen in den Kompositionen den Ton an, und immer wieder bilden sich vielschichtige Abläufe heraus, Tempowechsel, Überlagerungen von Spielgesten und Themen. Mit Steve Lehman (as) und Mark Shim (ts) hat Iyer zwei Virtuosen in der Band, die mit furiosen Soli ebenso brillieren können wie sie sich in die vielschichtigen Abläufe mitreißend einklinken. Starke Akzente setzte die belgische Sängerin Caroll Vanwelden mit ihren Vertonungen von Shakespeare-Sonetten, und erfrischende Bereicherung an Klangfarben und Spielmodi bot das vom Berliner Saxofonisten Daniel Glatzel geleitete Andromeda Mega Express Orchestra. Bereichernde Impulse brachten auch Musiker aus Kuba, mit denen Enjoy Jazz eine Kooperation unterhält.

Somi, die New Yorker Musikerin mit afrikanischen Wurzeln, sang zur Eröffnung und verarbeitete in ihrer Musik die Energie und Kultur ihrer Vorfahren. Dabei brachte sie ihre ländlichenPetrella schindelbeckGianluca Petrella © Frank Schindelbeck Gesänge in steten Wechsel mit sinnlich urbanen Vokalklängen. Archaik und Moderne schwangen fesselnd zusammen. Alte afrikanische Traditionen griff der Tenorist Shabaka Hutchings auf. Mit seiner Band The Ancestors verknüpfte er sie mit modalem Jazz, entwickelte mit ihnen einen ekstatischen Groove-Jazz. Höhepunkt des Festivals war der Auftritt von Archie Shepp, der sich in seinem 80. Lebensjahr in überragender Form präsentierte und im Programm Art Songs and Spirituals, das er als Deutschland-Premiere vorstellte, zu seinen Ursprüngen zurückkehrte.