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Ziemlich naheliegend: Das erfolgreiche Festival im Gasteinertal grub in diesem Jahr nach alpinen Wurzeln.

 Von Christoph Giese. gastein by Josef MeierHarry Sokal © Josef Meier
Wie schon im Vorjahr wusste der Österreicher Matthias Loibner auch bei der 14. Ausgabe des Snow Jazz Gastein wieder mit seiner elektrisch verstärkten Drehleier zu verblüffen – dieses Mal als eine von fünf Stimmen des Quintetts Blaubauer. Die überwiegend in Wien beheimatete Band erzeugt mit Trompete, Gitarre, Kontrabass, Akkordeon, Fagott und Jodelgesang sowie eben der Drehleier wunderbare Klänge, die sich aus Jazz, Klassik und den Volksmusiken des alpinen Raums und des Balkans zusammensetzen und den Hörer im Sägewerk auf gefühlvolle, aber auch mit Augenzwinkern durchtränkte wunderbare Musikreisen mitnahmen.

Das Sägewerk in Bad Hofgastein war einmal mehr der zentrale Spielort des Festivals. Und der gemütliche Jazzclub entpuppte sich erneut als ideale Location. Etwa auch für Depart Refire, das Powertrio der österreichischen Saxofon-Legende Harry Sokal, der mit dem Schweizer Bassisten Heiri Känzig und dem slowakischen Drummer Martin Valihora beim diesjährigen Eröffnungskonzert mit seinem groovenden und rhythmisch auch mal herrlich vertrackten Alpen-Jazz mächtig Druck machte. Die Alpen standen dieses Mal sowieso im Fokus. „Alpin Roots“ hatte Festivalmacher Sepp Grabmaier als diesjähriges Motto gewählt, und das Festival beleuchtete Musik aus Österreich und der Schweiz.

Aus dem Land des starken Franken kommt das Trio Vein, das im wundervollen Ambiente des luxuriösen Grand Park Hotels in Bad Hofgastein spielte. Auch das ist Teil des Festivalkonzepts. Tagsüber sind es diverse Skihütten oben in den Bergen, in denen kostenlos Jazz erklingt, und am Abend geht es zu den Konzerten eben nicht nur ins Sägewerk, sondern auch in ausgesuchte Hotels im Gasteinertal. Die Idee, alle mit ins Boot zu nehmen, zahlt sich aus. Bis zu 2.000 Extra-Übernachtungen weiß der Tourismusverband der Region pro Jahr während des Festivals zu vermelden

Das Trio Vein jedenfalls langweilte zwar nicht mit seinen rhythmischen Überraschungen, es riss aber auch längst nicht so mit wie ein paar Tage später der Auftritt des David Helbock Trios. Der österreichische Pianist David Helbock hat sein Trio mit Schlagzeug und einer Bass-Ukulele besetzt, die im denkmalgeschützten Grand Hotel de l‘Europe in Bad Gastein für dunkel wummernde, mitunter afrikanisch anmutende perkussive Momente sorgte. Das passte sehr gut zu Helbocks ebenfalls perkussiv angelegtem Spiel, das dennoch immer auch von großartigen Melodien durchzogen ist.

Weitere memorable Momente gab es etwa beim unterhaltsamen, aber ohne große Überraschungen daherkommenden Mainstream-Jazz von Gitarrenlegende Karl Ratzer, der gleich in Septettbesetzung angereist war und dabei Größen wie Saxofonist Johannes Enders, Trompeter Peter Tuscher oder Drummer Howard Curtis neben sich wusste. Für einen fröhlich heiteren Kehraus sorgte am letzten Abend dann das Trio Aly Keita (balafon), Jan Galega Brönnimann (bcl) und Lucas Niggli (dr, perc). Hoch virtuos ist deren Musik, voller sprudelnder Rhythmen. Aber sie bedient eben auch in manchen Augenblicken das Klischee von afrikanischem World-Jazz. Das Publikum jedenfalls war schwer begeistert – wie vom ganzen Snow Jazz Gastein.