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J01 purpleZahlen, zählen, zählende Zahlen – Bremens jazzahead! ist bei Erreichen der ersten Dekade eine Geschichte fortgesetzter Expansion.

powered by jazzthetikVon Henning Bolte. jazzahed gebhard ullmann by stefan pieperGebhard Ullmann © Stefan Pieper
929 Aussteller mit 3010 Teilnehmern aus dem Musikgeschäft aus 55 Ländern, nochmals eine Steigerung um 31 Prozent. Im musikalischen Teil 40 Showcases und in der Clubnight 70 Konzerte in 27 Clubs im Großraum Bremen. Auch die Zahl der Konzertbesucher, satte 16.000, kann sich sehen lassen. Die Messe- und Konzertlokalitäten für die vier Showcase-Programme (Französischer Abend, Deutsche Jazz Expo, Europäisches Jazztreffen, Überseeabend) waren beinahe komplett reorganisiert, um dem steigendem Ansturm zu genügen. Alles befindet sich jetzt auf derselben Ebene in nächster Nähe zueinander in Halle 7 des Bremer Messegebäudekomplexes. Dort wurden zwei größere Konzerthallen hergerichtet, was die Konzertbühne des nahe gelegenen Schlachthofs entlastet. Keine Überfüllung mehr dort, stattdessen komfortabler und entspannter Konzertgenuss. Verbesserungswürdig bleibt einzig die Akustik in Messehalle 7, die mit übermäßigem Stimmengewirr und Hall anstrengte.

Die Organisationen aus dem diesjährigen Partnerland Frankreich hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und lieferten ein Programm mit guter Bandbreite, genügend Tiefgang und mentalitätsspezifischem Appeal. Es gab nicht nur den Französischen Abend und das Galakonzert, sondern auch noch eine SACEM-Nacht, eine Kreolische Jazznacht und ein komplettes Abendprogramm des Collision Collective – und dabei wurden alle teilnehmenden Musiker auch noch vernünftig honoriert.

Die Showcases zeigten insgesamt eine große Vielfalt mit auffallend vielen Vokalisten und größeren Ensembles sowie hoher osteuropäischer Beteiligung. Die Musik spielt sich nicht mehr in gegeneinander abgeschotteten Stilrillen und -richtungen ab. Diese werden vielmehr als Errungenschaften der Vergangenheit auf unterschiedliche Weise unterschiedlich überzeugend integriert. Wenn auch das Gesetz pflegeleichteren Mainstreams und des Klebens an uralt bekannten Namen nach wie vor seine Gültigkeit beweist, können Gruppen ungeachtet der Stilrichtung Erfolg haben – wie etwa Thomas de Pourquery oder Papanosh beweisen. Wie verrückt ihre Mischung auch ist, entscheidend ist, dass sie das Publikum mitreißen können. Dazu müssen sie konsequent und integer hinter dem stehen, was sie tun, gleichzeitig aber Scheuklappen, Berührungsängste und Exklusivitätsdenken hinter sich lassen. Eine Gratwanderung mit Glücksfaktoren.

Auch ein Preis für die schreibende Zunft wurde wieder vergeben, diesmal an Wolf Kampmann. Bei aller positiven Bandbreite und Vielfalt fehlte es allerdings an Interdisziplinärem und Publikumssegmente Überschreitendem, mit dem Spielstätten und Festivals neue Gründe erschließen können. Das Publikum mit sich verändernder Mentalität bleibt die Achillesferse im Alltagsbetrieb dieses Musikbereichs, was sich durch kulturelle Klimaveränderung verschärft. Der emsige übervolle Marktplatz der jazzahead! täuscht darüber wohl eher hinweg.