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Die Jazz-Maschine im luxemburgischen Dudelange dampft weiter.

powered by jazzthetikVon Peter Bastian. jazzmachine lennart heyndels pit dahm by peter bastianLennart Heyndels und Pit Dahm © Peter Bastian
Das Pit Dahm Trio ist schon für sich ein vielversprechendes Unterfangen, klingt sein Leiter am Schlagzeug doch stellenweise wie Elvin Jones und die Band ungeheuer reif. Mit dem holländischen Pianisten Harmen Fraanje als Gast ließ sich die Band bei der vierten Ausgabe von Like a Jazz Machine im luxemburgischen Dudelange zu wahren Höhenflügen hinreißen. Michel Reis (p) spielte mit seinem Paris Quartet (Jonathan Orland, sax, Mauro Gargano, b, und Louis Moutin, dr) Bearbeitungen von Stücken von Maurice Ravel. Das wirkte durch die Vorlage insgesamt recht formal, doch die hervorragenden Musiker glichen das aus. Und ihr größter Hit, der Bolero, reißt immer mit, ob als Klassik-, Rock- oder Jazzstück.

Die Großformation Urban Voyage des Bassisten Pol Belardi war die Überraschung des Festivals, warteten die zehn Musiker plus Sängerin doch mit druckvollen Kompositionen und einem mächtigen Gebläse auf. Auch ihr Humor war charmant, etwa in „At the Control Station“, das gleichzeitig eine Hommage an den Luxemburger TÜV wie an Frank Zappa war. Das war allemal origineller als das Quintett von Kyle Eastwood, das direkt davor gespielt hatte und im Grunde nur perfekten Bebop mit einem schlechten Bassisten als Bandleader bot. Eine weitere Enttäuschung war das Organic Trio. Sein Drummer, der Luxemburger Paul Wiltgen, ist sicher im Trio Reis/Demuth/Wiltgen besser aufgehoben als bei dem Gitarristen Brian Seeger aus New Orleans, der nicht viel Mitreißendes zu bieten hat. Ganz anders wieder Pascal Schumacher, der Vibrafonist, dessen verschiedene Bands in Dudelange immer wieder überzeugen. So auch sein Quartett Left Tokyo Right mit abermals Pol Belardi (b), Franz von Chossy (keyb) und Jens Düppe (dr).

Das radio.string.quartet.vienna überzeugte mit Eigenkompositionen und Bearbeitungen von Weather Report oder dem Mahavishnu Orchestra. Der 79-jährige Klarinettist Michel Portal war besonders gut aufgelegt und riss das Publikum mit Emile Parisien (ss) und dem barfüßigen Akkordeonisten Vincent Peirani zu Begeisterungsstürmen hin. Mit aufregenden, energievollen Grooves überzeugte das skandinavisch-britische Trio Phronesis. Rabih Abou-Khalil wurde bei seiner ost-westlichen Musik von Luciano Biondini (acc) und Jarrod Cagwin (perc) unterstützt und nahm das Publikum im Sturm. Für eines der schönsten Konzerte im Düdelinger Opderschmelz sorgten Wolfgang und Florian Dauner – Vater und Sohn, deutsche Jazzlegende am Piano der eine, seit über 20 Jahren Schlagzeuger bei den Fantastischen Vier der andere.

Das Franco Ambrosetti Sextett spielte gediegenen Modern Jazz, der niemanden verschreckte. Hervorragend: der 73-jährige Buster Williams, der im Hintergrund am Bass quasi ständig soliert und dessen phantasievollen Läufen man stundenlang zuhören könnte. Wayne Krantz spielte schließlich spät in der Samstagnacht. Sein Trio mit Cliff Almond (b) und Nate Wood (dr), mit denen er sich blind versteht, hatte wildeste Improvisationen und aufwühlende Musik zwischen Jazz und Rock zu bieten – vielleicht der Höhepunkt des Festivals, das am Sonntag mit Maceo Parker ausklang.