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Baden-Baden war die erste und wichtigste Wirkungsstätte des später häufig als „Jazzpapst“ titulierten Joachim-Ernst Berendt. Seit einigen Jahren wird dort ein nach ihm benannter Ehrenpreis verliehen.

 powered by jazzthetikVon Achim Ost.badenbadenmarc marshall randy breckerMarc Marshall und Randy Brecker
Berendt hat als Rundfunk-Redakteur, Autor des legendären Jazzbuchs und Produzent enorm viel für den Jazz getan und gehört zu den überragenden Figuren der bundesdeutschen Jazz-Gründerzeit. Dass in Baden-Baden der Joachim-Ernst-Berendt-Preis verliehen wird, erscheint also logisch, erstaunlich nur, dass der Preis noch so jung ist und erst 2012 zum ersten Male vergeben wurde. Die bisherigen Preisträger waren Klaus Doldinger, Paul Kuhn und Till Brönner, drei Musiker also, die eher dem Mainstream als der Avantgarde zuzurechnen sind und das erfolgreiche Bestreben repräsentieren, dem deutschen Jazz mit Unterhaltsamkeit und Glamour ein größeres Publikum zu verschaffen.

Die diesjährige Preisträgerin Patti Austin bedankte sich am Eröffnungsabend des Baden-Badener Frühjahrs-Festivals Mr. M’s Jazz Club mit einem zweistündigen Konzert unter dem Titel A Tribute To Ella Fitzgerald, bei dem sie von Olaf Polziehn (p), Christian von Kaphengst (b) und Hans Dekker (dr) begleitet wurde. Patti Austin plauderte entspannt über Ella, das Leben und die Musik und setzte mit individueller Artikulation, souveräner Phrasierung und eigenen Akzenten auf die großen Hits des Jazzgesangs, von „Love Is Here To Stay“ über Gershwins „They Can’t Take That Away from Me“ und „A Tisket, a Tasket“ bis zu „How High the Moon“.

Im Laufe ihrer Karriere hat sich Austin immer wieder zwischen den Lagern der Popmusik und des Jazz hin- und herbewegt. Sie hat mit George Benson ebenso gearbeitet wie mit Michael Jackson und Paul Simon. Auf Alben wie For Ella und Avant Gershwin, letzteres mit der WDR Big Band aufgenommen und 2008 mit einem Grammy als bestes Gesangsalbum ausgezeichnet, hat sie sich klar und nachdrücklich zum Jazz bekannt. Ihr intensiver und vom Publikum im Kurhaus umjubelter Auftritt in Baden-Baden bestätigte das. Der Pianist Don Grusin, der oft mit Patti Austin gearbeitet hat, hielt die Laudatio.

Das Festival Mr. M’s Jazz Club fand in diesem Jahr zum achten Mal statt. Der Mr. M. im Festival-Titel ist übrigens Marc Marshall, der auch selbst gern und mit beachtlichem Publikumserfolg in der Rolle des Crooners auf der Bühne steht und zum krönenden Gala-Konzert die Festival-Formation Mr. M’s All Star Band um sich versammelte. Das Festival selbst stellte auch in diesem Jahr mit Namen wie Torsten Goods, Rigmor Gustafsson und Peter Fessler den Gesang in den Mittelpunkt und setzte dabei durchaus eigensinnige europäische Akzente jenseits des Hauptstroms eines Great American Songbook. Zu den Höhepunkten zählte ein europäisch-amerikanisches Zusammentreffen von Peter Fessler, Don Grusin und Randy Brecker am zweiten Festivalabend, zu dem sich Guido May (dr), Bruno Müller (g) und Christian von Kaphengst (b) auf der Bühne eingefunden hatten.