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J01 purpleEs war mal wieder ein Festival der Kontraste in Bonn: junge Hoffnungsträger und altgediente Legenden, Soulsängerinnen und Experimental-Trompeter, männliche Diven und weibliche Teamplayer.

powered by jazzthetikVon Thomas Kölsch.jazzfest bonn julia kadel by thomas ki lschJulia Kadel © Thomas Kölsch
Eine bunte Mischung, für die das Jazzfest Bonn bereits über die Grenzen des Rheinlands hinaus Anerkennung erhält. Im sechsten Jahr ihres Bestehens hat die zehntägige Konzertreihe wieder für erfreuliche Überraschungen gesorgt – und die ganze Bandbreite des modernen Jazz offenbart. Vor allem starke Frauen standen im Mittelpunkt. Fantastische Sängerinnen wie Lizz Wright und Ulita Knaus, renommierte Schlagzeugerinnen wie Terri Lyne Carrington und Marilyn Mazur, brillante junge Komponistinnen und Bandleaderinnen wie Rebecca Trescher und Julia Kadel. Jazz als Männerdomäne? Nicht, wenn es nach dem diesjährigen Programm des Jazzfest Bonn geht.

Energiegeladen, frisch und mitunter frech etwa Ulita Knaus: Die 45-jährige Hamburgerin, die das Festival im Doppelkonzert mit Saitenzauberer Pat Martino eröffnet, zeigt sich so stark wie nie, revitalisiert durch mal berührende, mal amüsierende Geschichten über westwärts weisende Fenster, Wellness in China und einen Akkordeonisten, der bei Wind und Wetter auf den Straßen Hamburgs gespielt hat. Gut gelaunt und stilistisch abwechslungsreich, dient sie als Kontrapunkt zu dem 70-jährigen Gitarren-Gentleman, der beständig seiner Linie und seinem orgelgleichen Sound treu bleibt, ob er nun John Coltrane spielt oder Wes Montgomery.

Auch Lizz Wright gibt alles, muss sich aber letztlich der nicht vorhandenen Atmosphäre in der Aula der Uni Bonn geschlagen geben. Konzert bei Saallicht – da kann keine Stimmung aufkommen, so sehr sich die Sängerin mit der warmen Soulstimme auch bemüht. Sie hätte Besseres verdient. Das Publikum goutiert den Auftritt dennoch, bei kaum einem anderen Konzert ist der Andrang am Plattentisch so groß. Insgesamt stimmiger ist dennoch etwa der Auftritt von Julia Kadel, die sich mit Trompetenlegende Enrico Rava die Bühne teilt: Viele ihrer Stücke entstehen aus dem Moment heraus, geboren aus einem Schlagzeug-Rhythmus Steffen Roths etwa, der experimentierfreudig eine Grundlage schafft, auf die Kadel dann filigrane, vertrackte und zugleich organisch gewachsene Läufe setzt.

Rebecca Trescher schlägt mit ihrem Ensemble 11 in eine ähnliche Kerbe. Auch sie ist eine Grenzgängerin, die den epischen, programmatischen Klang schätzt – und auch sie muss mit Widrigkeiten kämpfen. Denn Geiger Nigel Kennedy, der im Anschluss mit seinem neuen Jimi-Hendrix-Programm das Jazzfest beschließen soll, hat jenen Teil der Bühne sperren lassen, auf dem bereits seine diversen Pedale aufgebaut sind, so dass das Elftett der jungen Nürnbergerin sich in die andere Hälfte quetschen darf und nach gerade mal einer Stunde das Feld räumen muss. Musikalische Partner auf Augenhöhe, wie dies ansonsten bei diesem Festival üblich ist? Unmöglich. So herausragend Kennedys Auftritt auch war, so sehr der 58-Jährige auch das Publikum mit seinem Spiel in den Bann zog – eine derartige Attitüde passt einfach nicht zum Jazzfest.