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J01 purpleGeht doch! Nach der unerfreulichen Veranstaltung im Vorjahr war die diesjährige ECHO-Gala ein Abend, der sich sehen lassen konnte.

Von Guido Diesing. echojazz schaerer by guido diesingAndreas Schaerer © Guido Diesing
Gedankt wurde mal wieder reichlich – ganz wie man es von Preisverleihungen kennt. Fast jeder der 23 Preisträger, die Ende Mai in Hamburg mit einem ECHO Jazz ausgezeichnet wurden, wandte sich zunächst einmal an Produzenten, Mitmusiker, Label, Manager, Tontechniker und nicht zuletzt Ehepartner und Kinder. Nur einer wollte da nicht mitspielen. Eberhard Weber erhielt den Preis für sein Lebenswerk und begann seine kurze Ansprache gewohnt launig: „Seit 40 Jahren sage ich ständig Dankeschön. Es muss auch mal genug sein. Ich möchte mich lieber bei der Musik bedanken, beim Jazz. Der kann jetzt nicht antworten, aber ich danke ihm herzlich, dem lieben Jazz.“ Zu Ehren des Bassisten, der sein Instrument seit einem Schlaganfall 2007 nicht mehr spielen kann, erhob sich das Publikum komplett von den Sitzen. Es war der emotionale Höhepunkt einer Gala, die in diesem Jahr rundum gelungen war. Angesichts von Preisträgern wie Johanna Borchert, Niels Klein, Tobias Hoffmann und dem Eva Klesse Quartett belegte sie eindrucksvoll die hohe Qualität gerade des aktuellen deutschen Jazz.

Im Moderatoren-Duo übernahm Roger Cicero den lockeren Part, während Gregory Porter zwar unerwartet steif, aber doch charmant von seinen Moderationskärtchen ablas. Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer, immerhin einst Moderator der ARD-Reihe Swing-Raritäten, lobte den als bester internationaler Sänger ausgezeichneten Schweizer Andreas Schaerer mit blumigen Worten: „Die Konzerte seiner Band Hildegard Lernt Fliegen sind Dada-Partys, Orgien der Fantasie, ein famoses Chaos.“ Schaerer erklärte, er habe sich schon als Kind in den Bergen gewundert, dass er das Echo nur hören konnte. „Ich habe mich immer gefragt, wie es wohl aussieht“, sagte er und fügte mit Blick auf den gerade entgegengenommenen Preis an: „Jetzt weiß ich es.“

Durchweg hochklassig und abwechslungsreich waren die Live-Beiträge. Mit Vincent Peirani und Michael Wollny kamen zwei jeweils doppelt ausgezeichnete Preisträger als Duo zusammen und bezauberten mit farbenreichem Zusammenklang. Branford Marsalis sorgte mit einer unbegleiteten Version von „Stardust“ für einen weiteren Höhepunkt und sparte nicht an großen Worten: „Preise bedeuten mir üblicherweise nicht sehr viel, aber wenn der Preis aus dem wichtigsten Land für Instrumentalmusik in den vergangenen 1000 Jahren kommt, ist das etwas anderes.“

Zum gelungenen Abend trug das reizvolle Ambiente in der Maschinenbauhalle der Blohm+Voss-Werft bei, und selbst die Laudatoren machten überwiegend den Eindruck, zu wissen, wovon sie sprachen. So blieb als Kandidatin für den inoffiziellen ECHO 2015 in der Kategorie Peinlichkeit schließlich nur eine Fotografin am Roten Teppich. Nachdem sie nicht mitbekommen hatte, dass Branford Marsalis sich beim Fototermin verspäten würde, und stattdessen Eva Kruse vor der Sponsorenwand erschien, sprach sie diese beharrlich und pseudo-vertraut immer wieder mit Branford an („Bitte noch mal zu mir, Branford!“, „Vielen Dank, Branford!“). Die beiden zu verwechseln – das muss man erst mal schaffen.