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J01 purpleStolz sind sie auf ihre Künstler, die Bewohner der kapverdischen Inseln. Und das mit gutem Grund.

Von Christoph Giese.lura02 c christoph gieseLura © Christoph Giese
Im Frühstücksraum des Pestana Trópico Hotels in Praia, der Hauptstadt des Inselstaates, tönen am frühen Morgen schon die melancholischen Lieder des verstorbenen Sängers Ildo Lobo aus den Lautsprechern. Und von der Sängerin der Kapverden, Cesária Évora, hängen nicht nur Fotos im Hotel, ihr Gesicht ziert sogar einen Geldschein. Viele Lieder aus ihrem Repertoire erklangen beim letzten der drei Eröffnungskonzerte der dritten Atlantic Music Expo. Das Orquestra Nacional unter der Leitung des Pianisten Carlos Mata hatte Orchesterfassungen kapverdischer Musikklassiker erarbeitet. Auch wenn es manchmal arg romantisch klang – interessant waren die Versionen allemal.

Ein wesentlicher Programmpunkt der Atlantic Music Expo sind Konferenzen und Workshops mit Teilnehmern überwiegend aus portugiesischsprachigen Ländern. Es wurde diskutiert, wie das Interesse an afrikanischer Musik entwickelt werden kann oder was gutes Künstlermanagement beinhaltet. Tagsüber und abends lockten dann zahlreiche kostenlose Open-Air-Showcases von Künstlern wie Karyna Gomes, Jenifer Solidade oder Ary Morais das junge kapverdische Volk bis in die Nacht hinein in die Straßen. Entdeckungen gab es dabei einige. Sänger Alberto Koenig aus Santiago etwa, der mit seiner Mischung aus Soul, Pop und Reggae überzeugte. Oder die ebenfalls aus Santiago kommende Sängerin Elida Almeida, die mit leisen Mornas und dann wieder positiven, von Funaná und Batuku beeinflussten Partysongs eine echte Show abzuliefern weiß. Die junge Cremilda Medina dagegen hat mit Show nicht viel am Hut. Aber sie hat eine tolle Stimme, mit der sie lässig und unangestrengt zu singen vermag.
Das Ende der Atlantic Music Expo mit einem weiteren wundervollen Konzert eines kapverdischen Künstlers, Sänger und Gitarrist Tibau, ging nahtlos ins Kriol Jazz Festival über. Das eröffnete das Trio des US-Schlagzeugers Ron Savage mit gepflegtem, aber nicht sonderlich spannendem Mainstream-Jazz. Auch der haitianisch-kanadische Saxofonist Jowee Omicil mit seinen nicht wirklich funkigen Fusionklängen bot nicht mehr als ganz gute Unterhaltung. Ganz anders Lura. Die charismatische Sängerin mit der Riesenstimme weiß mit einer knackigen Band an ihrer Seite ein Publikum um den Finger zu wickeln. Eine solche hatte auch Céu mitgebracht. E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug lieferten einen herrlich rockig-groovenden Untergrund für die eigenwilligen Songs der Brasilianerin. Das Trio Reis Demuth Wiltgen konnte sich zwischen Lura und Céu mehr als nur behaupten. Der mit Ersatz-Bassist Robert Landfermann für den erkrankten Marc Demuth angereiste Dreier aus Luxemburg begeisterte mit griffigen, eingängigen Melodien und rockig treibender Kraft. Pianist Michel Reis ist darüber hinaus ein echter Ästhet auf den Tasten.

Kulturminister Mário Lúcio, ein renommierter Musiker seines Landes, der die Messe und das Festival maßgeblich fördert, hatte noch gute Nachrichten: Die nächsten zehn Jahre Atlantic Music Expo sind schon jetzt finanziell gesichert.