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J01 purpleAlljährlich im Hochsommer präsentieren die Jazzopen in Stuttgart Größen des internationalen Jazz neben Pop-, Rock-, R&B- und Weltmusikstars. Die 22. Ausgabe des Festivals endete mit einem Besucherrekord.

Von Harry Schmidt.
Unter allen Stars, die das diesjährige Festival zu bieten hatte – mit Bob Geldof, Max Herre und Zaz im Pop- sowie Gregory Porter, Dianne Reeves und Marcus Miller im Jazz-Bereich doch einige –, war Jamie Cullum vielleicht der größte. Von allen Programmwiederholungen – mit Zaz, Gregory Porter, Dianne Reeves auch einige – war es auf jeden Fall die nachvollziehbarste: In der Art, wie er als Popstar Jazz interpretiert, wirkt Cullum wie gemacht für das Profil der Jazzopen; naheliegend, den idealen Festivalkünstler erneut zu verpflichten.

Ein ums andere Mal erweist er sich als Meister der Situation, die Präsenz in Person, Publikumsanimation sein zweiter Vorname. Es wirkt fast wie ein Showeffekt, als kurz schütterer Regen einsetzt, während Cullum „Singin’ In the Rain“ intoniert. Als quecksilbriges Energiebündel flirtet und scattet er mit dem Publikum. „Twenty Something“, seinen vielleicht besten Song, nimmt man dem Mittdreißiger immer noch locker ab. Wie im Stadion der Chor der 5.400 Besucher der Hauptbühne am Schlossplatz in „Mix Tape“. Cullum, zunächst headbangend am Flügel, geht nach vorn und dirigiert das Publikum. Es ist totenstill, als die Zugabe „Don’t Stop the Music“ beginnt, Cullum flüstert, der Platz flüstert zurück. Tatsächlich einer der großen Entertainer unserer Zeit.

Ebenfalls ein Jazzmoment erster Güte, aber von ganz anderer Art, war die Eröffnung des Festivals mit der Verleihung der German Jazz Trophy an Ralph Towner für sein Lebenswerk. Die feinstofflichen Texturen, mit denen der Ausnahmegitarrist im Preisträgerkonzert mit zwei Sets – einmal solo, einmal mit dem aktuellen Trio MGT – die Einladung zur Gestaltung eines großen zeitlosen Jazzerlebnisses dankbar annahm, suchen nach wie vor ihresgleichen. Ähnliches trifft auf Brad Mehldau zu, was die Rolle des Klaviers im Jazz angeht, wie sein Konzert eindrucksvoll dokumentierte.

Etwas zu gefällig blieb dagegen der Retro-Soul-Jazz der niederländischen Sängerin Caro Emerald und des italienischen Sängers Mario Biondi auf der Open-Air-Bühne vor dem Mercedes-Benz Museum. Fragil und kraftvoll zugleich der Auftritt der Neo-Fado-Queen Mariza ebendort. Einmal mehr war es in erster Linie dem Clubprogramm im Bix vorbehalten, Entdeckungen wie die Weltpremiere des Dana Leong Transatlantic Trios zu erlauben oder avancierte Impulse zu geben und zeitgenössische Akzente zu setzen, etwa mit Konzerten von GoGo Penguin, Lizz Wright, Magnus Öström oder dem Ruthie Foster Quartet. In Sachen Programmvielfalt waren die diesjährigen Jazzopen wieder ein hochkarätiges Angebot, das mit Pop, Rock, Latin, Soul, R&B, HipHop und viel Jazz für fast alle etwas zu bieten hatte. Mit einem Besucherrekord von 28.000 Zuschauern bei den über 40 Konzerten in zehn Tagen, zahlreichen ausverkauften Abenden und einer Auslastung von 95 Prozent steht das Festival besser etabliert da denn je.