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purple„Make it happen!“ – so stand es auf den Plakaten der European Jazz Conference. Kein schlechtes Motto für ein Treffen, das sich die Förderung von Jazz auf die Fahnen geschrieben hat.

 Von Tobias Richtsteig.european jazzVeronika Harcsa © Hrotkó Bálint
Ende September fand in Budapest das jährliche Treffen des European Jazz Network statt, und der neue Name European Jazz Conference (EJC) deutet es schon an: Diese Konferenz steht interessierten Besuchern offen. Die Einführungsrede hielt Christopher Dell, als Vibrafonist ein Improvisations-Praktiker, der das Thema aber seit Jahren auch theoretisch durchdringt. Als Direktor des Institute for Improvisation Technology forscht er, als Gast-Professor für Urban Design Theorie lehrt er an der HafenCity Universität in Hamburg. Denn auch Stadtplanung, sagt er, müsse heute von der improvisatorischen Haltung des Jazz lernen. Tagesaktuell hatte Dell ein Zitat des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer mitgebracht: „Wenn es keine Ordnung gibt, bleibt Improvisation, Durcheinander, Vertrauensverlust.“ Das erntete Lacher im Saal, mit Improvisation kennt man sich aus und bevorzugt gerade deren positive Wirkungen.

Von denen war auch im weiteren Verlauf immer wieder die Rede, etwa als Judit Csobod vom Ungarischen Mediawave Gathering berichtete, ihre Veranstaltung habe sich bewusst gegen den Begriff Festival entschieden, weil man sich von der Top-Down-Philosophie verabschiedet habe, dem Publikum ein Programm vorzusetzen. In Zeiten geschrumpfter Fördertöpfe finden nun große Teile des Programms in Initiative der Besucher statt. Einen anderen Weg ist das Budapest Music Center (BMC) gegangen, in dessen Räumlichkeiten die EJC tagte: Als zu Zeiten des Mauerfalls auch in Ungarn die staatlichen Institutionen der Musikpflege zerfielen, hatte der Posaunist László Göz das BMC gegründet, zunächst einfach als Website. Inzwischen umfasst es eine Bibliothek, ein Label, einen Konzertsaal und einen Jazzclub. Dort gab es Einschlägiges aus der aktuellen Szene Ungarns zu hören: Den Altmeister Béla Szakcsi Lakatos etwa, der einst den Geist der Roma-Musik mit Jazzimprovisation verband und damit den Weg für einen ungarischen Gipsy-Jazz („Aber ohne Django!“) ebnete. Oder Tony Lakatos, dereuropean jazz2© Hrotkó Bálint aus Frankfurt in seine alte Heimat gekommen war, um mit dem Modern Art Orchestra, einer jungen, zeitgenössisch spielenden Bigband, aufzutreten. Oder den umwerfend lebendigen Fusionjazz der Kristóf Bacsó Triad mit dem Gast Martin Fenyvesi (g). Gitarrist Gábor Gadó wiederum hatte sich für sein Quartett einen Fagottisten als Ergänzung eingeladen. Der feinsinnige Altsaxofonist Viktor Tóth brachte mit seinem Tercett den Lyrizismus von Paul Desmond mit dem Spirit von John Coltrane zusammen. Und schließlich Michael Schiefel, Jörg Brinkmann und Miklós Lukács (cimbalom) mit dem Platypus-Trio und das Grencsó Open Collective mit Rudi Mahall als zweitem Frontmann, das zu den Erlebnissen im Jazz in Europa gehört.

In einem Manifest des EJN wurde kreative Musik beschrieben als „positive Kraft für Harmonie und Verstehen unter Leuten aus der Vielfalt der Kulturen, die in der europäischen Familie leben.“ So ging von Budapest ein Signal in die Welt: Europa ist eine bunte Familie – und wir haben noch gar nicht richtig angefangen, unsere Geschwister kennenzulernen. Die EJC 2016 findet im polnischen Wrocław statt.