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purpleZum dritten Mal lockte das Sommerton-Festival zum Schloss Diersfordt bei Wesel. Am Ende strahlten Veranstalter und Zuschauer mit der Sonne um die Wette.

 

 

 powered by jazzthetikVon Guido Diesing. sommerton Bojan Z   Amira MedunjaninBojan Z, Amira Medunjanin
Da passte mal wirklich alles zusammen: ein klug zusammengestelltes Programm, gut aufgelegte Künstler, wohliges Spätsommerwetter und ein ebenso aufmerksames wie dankbares Publikum. Am beschaulichen Niederrhein ist eine Gruppe von Musikliebhabern um den früheren Traumzeit-Chef Wilfried Schaus-Sahm auf dem besten Weg, eine Veranstaltung zu etablieren, die sich angenehm vom gewohnten Festivalzirkus abhebt: keine Reizüberflutung, keine Gigantomanie, keine unnahbaren Stars, die routiniert ihr Programm abspulen. Dafür Konzerte auf hohem bis höchstem Niveau, die die Grenzen zwischen Weltmusik und Jazz verschwimmen lassen.

Zwei außergewöhnliche Sängerinnen gaben dem diesjährigen Festival einen stimmigen stimmlichen Schwerpunkt. Die Bosnierin Amira Medunjanin schenkte bei der Deutschland-Premiere ihres Trios der tieftraurigen Sevdah-Musik ihrer Heimat neue Impulse. Mit warmer, runder Stimme vermittelte sie zwischen Balkanballaden und Jazz und hatte in Bojan Z (p) und Nenad Vasilic (b) starke Unterstützung. Ein wenig Anlaufzeit brauchte dagegen Maria João. Nach fahrigem Beginn musste sich die Portugiesin mächtig abstrampeln, um das Publikum auf ihre Seite zu bekommen. Im Wechsel zwischen mädchenhaftem Kieksen, tiefem Röhren, Opernparodien und Hechelgeräuschen zeigte sie ihre enorme Ausdruckspalette. Enrico Rava (tp) legte im Duo mit Stefano Bollani (p) einen Auftritt hin, der vor intelligentem Witz nur so funkelte. Aufmerksam und gedankenschnell traten die beiden in musikalische Dialoge. Ihre fast schon kindliche Freude daran, den jeweiligen Duopartner zu überraschen, übertrug sich unmittelbar auf die Zuschauer. Viel zu selten, dass es beim Jazz so viel zu lachen gibt – und umso schöner, wenn über den Klamauk die Substanz nicht verloren geht. Auch Gwilym Simcock verstand es in seinem Solokonzert, mit trockenem britischem Humor eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. In seiner Musik trafen sich Samuel Barber und Chick Corea, Edvard Grieg und John Taylor.

Musikalischen Wirbel machte der ungarisch-serbische Geiger Félix Lajkó, bei dessen Auftritt mit Antal Brasnyó (Bratsche) das eng verzahnte Zusammenspiel und die verblüffende Virtuosität bis ins rasanteste Tempo mitrissen. Für das entgegengesetzte musikalische Extrem sorgte das Duo von Catrin Finch (Harfe) und Seckou Keita (Kora) mit beruhigend und meditativ fließenden Klängen – bisweilen etwas vorhersehbar, aber von den rund 500 Zuschauern mit stehenden Ovationen gefeiert. Wie sehr die freundliche Atmosphäre des Festivals inspirieren kann, bewies schließlich das Abschlusskonzert in der Schlosskirche mit John Surman. Vom Publikum zu seinem 71. Geburtstag mit einem Ständchen begrüßt, wirkte der Engländer ebenso gerührt wie beflügelt. Mit geschlossenen Augen versank er in seiner Musik, nahm die Zuhörer improvisierend mit auf die Reise in imaginäre Welten, aus denen er am Ende sichtlich erschöpft, aber glücklich in die Wirklichkeit zurückkehrte.