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purpleBeim Punkt-Festival wurden wie gewohnt Konzerte durch den Wolf gedreht. Doch es gab auch Neuerungen.

 Von Christoph Giese.punkt Jan Bang04 (c) Christoph GieseJan Bang © Christoph Giese
Bislang mussten Jan Bang und Erik Honoré ihr Festival immer mit vielen Worten erklären. Nun gibt es eine wunderbare Dokumentation über Punkt vom französisch-norwegischen Filmemacher Adrien Le Gall, die in Kristiansand im Rahmen des Festivals erstmals gezeigt wurde. Zu sehen sind Ausschnitte von Konzerten der vergangenen zehn Festivaljahre, die den Geist und die Idee von Punkt in Bilder und Töne umsetzen. Und natürlich kommen auch die Festivalgründer und andere Künstler zu Wort. Schnell wird deutlich: Punkt ist mehr als ein gewöhnliches Musikfestival. Punkt ist eine Kunstform. Die in diesem Jahr so richtig ihre visuelle Seite zeigen konnte, fanden doch erstmals alle Konzerte an den beiden Haupttagen im Kino von Kristiansand statt. Da konnte Lichtkünstler Tord Knudsen so richtig seine Kreativität zeigen und vor allem die Konzerte im größten Saal mit farbenreichen Fantasiebildern zu einem Genuss für Ohren und Augen machen.

Und noch etwas war neu bei Punkt 2015. Es gab etliche Konzerte, die anschließend nicht live remixed wurden. Die Auftritte, die direkt nach Konzertende von den Remixern weiterverarbeitet wurden, boten ebenfalls eine Neuigkeit: Erstmals konnten die Zuhörer zwischen drei gleichzeitig startenden Remixen wählen. Das eröffnete die Möglichkeit, unterschiedliche Herangehensweisen zu vergleichen, brachte aber die Gefahr mit sich, dass man sich nicht ganz so intensiv auf einen Remix einließ, um auch von den anderen Bearbeitungen etwas mitzubekommen. Lobenswert auf jeden Fall, dem elektronischen Nachwuchs ein Podium zu geben. In einem der Keller-Kinosäle präsentierten sich Studenten von Jan Bang, der seit dem vergangenen Jahr an der Uni von Kristiansand Elektronische Musik lehrt.

Welche Konzerte blieben hängen? Sicher der Auftritt des Österreichers Christian Fennesz mit Trompeter Arve Henriksen. Wo Fennesz eher als kühler Soundbastler agierte, gab sich der Norweger vor allem als emotionaler Musiker, der viel Seele in seine Trompetenklänge zu legen vermag. Nguyên Lês Vertonung des skurrilen japanischen Stummfilms A Page of Madness mit Gästen wie Nils Petter Molvær, Jan Bang und einem Streichquartett bewies einmal mehr, welch großartiger Brückenbauer der vietnamesisch-französische Gitarrist ist. Ein Remix von Marilyn Mazur, Nils Petter Molvær, Eivind Aarset und Jan Bang zeigte schließlich, wie man aus einem wenig spannenden Konzert (der französischen Band Vegan Dallas) etwas Aufregendes gestalten kann. Zum Festivalabschluss verarbeitete Bang im Duo mit Audun Kleive den Auftritt des deutschen Elektronikmusikers Atom TM. Der hatte mit seinen superlauten, technoiden Maschinen-Sounds etliche Zuhörer aus dem Saal getrieben. Bang und Kleive gingen mit viel Humor, Spaß und Improvisationslust an den Remix. Und verblüfften damit, dass man pure Elektronik mit noch mehr Elektronik beantworten und dabei doch unglaublich menschlich wirken kann.