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purpleEin Festival um ein Instrument zu gruppieren, ist nach wie vor ein origineller Ansatz. Die Multiphonics 2015 zeigten erneut, wie vielfältig die Welt der Klarinette sein kann.

 

powered by jazzthetik Von Rolf Thomas.multiphonics SclavisRomanoTexier ElisabethBroseSclavis, Romano, Texier © Elisabeth Brose
In ganzer Breite finden die Multiphonics in Köln statt, in Frankfurt und Stuttgart wurde das Programm in konzentrierter Form präsentiert. Für den Auftakt im Ländle sorgte das Duo aus Michel Portal und dem Pianisten Bojan Zulfikarpašić, die sich in bestechender Form zeigten – Portal, einer der Großmeister der Klarinette, erwies sich gar in einer Nebenrolle als leidenschaftlicher Bandoneonista. Danach fand ein Trio wieder zusammen, das vor 20 Jahren als Sensation galt und das Genre der imaginären Folklore fast im Alleingang erfand. Louis Sclavis, Aldo Romano und Henri Texier haben nichts verlernt, dennoch wollte sich die Magie, die das Trio in den neunziger Jahren ausgelöst hatte, nicht so recht einstellen. Das Taksim Trio aus Istanbul sorgte dann am zweiten Abend für eine ausverkaufte Halle im Theaterhaus. Unter dem Einfluss diverser bewusstseinserweiternder Substanzen spielten die drei ein etwas unkonzentriertes und psychedelisch ausuferndes Set. Zuvor hatte Festivalorganisatorin Annette Maye die Gelegenheit genutzt, mit ihrem Ensemble FisFüz und dem Programm Mozart im Morgenland das Publikum außerordentlich zu begeistern – Klatschmarsch und stehende Ovationen inbegriffen. Im zauberhaften Städtchen Esslingen enterten Ivo Papasov & His Wedding Band eine Open-Air-Bühne in einem lauschigen Park am Neckar – ideale Bedingungen für den bulgarischen Klarinettisten, die ganzen polyrhythmischen Qualitäten seiner Band zu entfalten.

Am letzten Abend sorgten dann, wiederum im Theaterhaus, gleich drei Bands für den künstlerischen Höhepunkt des Festivals. Die besonderen Qualitäten einer Programmierung zeigen sich oft dann, wenn Musiker einer Band mit denen einer anderen musizieren wollen, und das war hier gleich mehrfach der Fall. Das Duo aus Patrick Bebelaar (p) und Frank Kroll (sax) zeigte sich nicht nur in Originalen und Covern äußerst einfallsreich – hier traf beispielsweise „Round Midnight“ auf „The Lion Sleeps Tonight“ –, sie ergänzten sich außerdem noch um Annette Maye, Gianluigi Trovesi und Günter „Baby“ Sommer, um mit einer furiosen Fassung von Bebelaars „Tango“ zu glänzen. Danach präsentierten Maye und Trovesi mit der Band Vinograd Express Neuinterpretationen von Stücken aus John Zorns Masada-Zyklus (unter dem Titel Remembering Masada auch als CD zu haben), die mit Verschmitztheit und feuriger Virtuosität ganz neue Perspektiven auf diese Musik eröffneten. Zum Abschluss dann der Klarinetten-Overkill: Mit dem Clarinet Summit kam eine Formation wieder zusammen, die es vor 35 Jahren schon einmal gegeben hatte. Perry Robinson, Theo Jörgensmann, Bernd Konrad und Gianluigi Trovesi sorgten mit einem fein abgestimmten Repertoire – und den Gästen Albrecht Maurer (v), Sebastian Gramss (b) und Günter „Baby“ Sommer (dr) – dafür, dass Nostalgie, die Positionierung in der Gegenwart und der Ausblick in die Zukunft perfekt austariert waren. Einmal mehr haben sich die Multiphonics selbst übertroffen – so kann es gerne weitergehen.