Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

Panda BearWie übersetzt man »psyched«? Noah Lennox, Mitglied der Neo-Hippie-Band Animal Collective und alleine als Panda Bear unterwegs, liebt diesen Ausdruck und verwendet ihn gerne und häufig: »I’d like for people to get psyched, when they listen to the jams.« Alles klar?
Von Klaus SmitPanda Bear

Nix ist klar, aber nach und nach wird einiges deutlicher. Denn Lennox verwendet »psyched« besonders gerne, wenn er die Musik seiner Band als auch seiner Solo-Unternehmungen beschreiben soll. Dann bekommt der Begriff Konturen und das Gegenüber eine Idee, wie Lennox ihn verstanden wissen möchte. Denn für Animal Collective und für Panda Bear scheint der Begriff geradezu erfunden worden zu sein.

Das gilt auch für Person Pitch, das zweite Album Noah Lennox’ als Panda Bear. Mal schleudert es einen in die eine, mal in die andere Richtung. Etliche Samples aus zumeist selbst aufgenommenen Quellen liegen übereinander, werden bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, kongenial neu in Szene gesetzt – und sind nur einer Aufgabe verpflichtet: schöne Melodien zu erschaffen. »Bei fast allen Songs habe ich damit begonnen, unterschiedliche Samples zu nehmen und sie miteinander zu verbinden«, erklärt Lennox seine Vorgehensweise, »ich habe ihre Tonart herauf- oder herabgesetzt, ihr Tempo verlangsamt oder schneller gemacht. Dann habe ich versucht, die Melodien und Rhythmen der Wörter auf eine instinktive und natürliche Art aus mir herauskommen zu lassen. Wenn ich alleine arbeite, bin ich etwas freier, wenn es um die Umsetzung meiner Gefühlswelten geht und wie ich mit dem Raum dazwischen umgehe.«

Selbst bei einer Band wie Animal Collective, deren Musik zum Freigeistigsten gehört, was in der Pop-Musik derzeit kursiert, gibt es also Beschränkungen für die Mitglieder David Portner (alias Avey Tare), Brian Weitz (alias The Geologist), Conrad Deaken (alias, äh, The Deaken) und eben Noah Lennox. »Wenn ich einen Song für Animal Collective schreibe, möchte ich noch Raum für die Ideen der anderen lassen, daher sind die Lieder zu Beginn wesentlich einfacher gehalten. Und wie ich bereits andeutete, kann ich in der Band auch nicht alles nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten. Schließlich müssen wir alle zusammen so lange daran arbeiten, bis jeder Einzelne damit zufrieden ist. Und das ist auch das, was ich großartig daran finde, in einer Band zu sein.«

Dabei klingen seine Solo-Werke - und gerade Person Pitch - keineswegs wie von einer einzigen Person stammend. Vielmehr hat man den Eindruck, die Beteiligten würden sich stapeln, derart angefüllt wirkt die Musik. Und in einem bestimmten Sinn ist das auch durchaus der Fall: Nicht nur hat Noah Lennox Samples aus vielen unterschiedlichen Stilen verwendet, im CD-Booklet ist auch eine imposante Liste von Musikern, Bands und Labels abgedruckt, von Basic Channel und Luomo über The Zombies, Erik Satie, Aphex Twin und Kylie Minogue bis zu Phil Collins, Queen, Gang Starr, The Stooges, New Order. »Es bereitet mir immer große Schwierigkeiten«, erklärt Noah Lennox dazu, »über die Einflüsse meiner Musik nachzudenken (ich höre nicht besonders viel Musik, jedenfalls nicht zur Entspannung). Und da die Musik so viele Samples beinhaltet, hielt ich es für angemessen, ganz offen darauf zu verweisen, was mich inspiriert hat, was dazu geführt hat, dass ich das mache, was ich jetzt mache.«

Ebenfalls in der Liste genannt ist die Folk-Legende Vashti Bunyan, die Animal Collective durch Kieran Hebden (Four Tet) kennen lernten und mit der sie für die im Jahr 2005 auf Fat Cat erschienene EP Prospect Hummer drei Songs einspielten. Anschließend nahm Bunyan Lookaftering auf, ihre zweite Platte nach der 1970 erschienen Just Another Diamond Day. Besonders an die Musik dieser Zeit und der Dekade davor erinnert sowohl das Schaffen Animal Collectives als auch Panda Bears, ohne sie zu kopieren, zu zitieren oder sich auf irgendeine Weise daran anzulehnen. An manche Exoten, die man auf Pebbles-, Nuggets-, Rubbles-, Boulders- und anderen obskuren Samplern hören konnte, die mehr als 20 Jahre später Garagenrock-Perlen der 60er Jahre zusammentrugen, schließt Person Pitch an, dehnt die Ideen aber oftmals bis ins schier Endlose aus. »Ich glaube, damals existierten ein besonderer Wille und eine besondere geistige Offenheit in Bezug auf Musik und die Herangehensweise daran. Ich habe den Eindruck, dass es diese Haltung noch immer gibt, aber nicht so sehr in der populären Welt der Musik, womit ich vor allem die Musik aus den USA und Großbritannien meine. Damals waren wohl auch die Vorstellungen, welche Genres und Klassifikationen es gibt, nicht ganz so konkret, in Stein gemeißelt und rigoros, was ich sehr schätze. Gleichzeitig glaube ich aber, dass mich die aktuelle Musik genauso inspiriert wie die Musik, die vor 30 oder 40 Jahren entstanden ist. Und mir geht es definitiv immer darum, etwas zu schaffen, was mich als Person der heutigen Zeit reflektiert, die das denkt, was ich heute denke, und das fühlt, was ich heute fühle.«

In der Tat nimmt Person Pitch damalige Fäden auf, geht in der Produktionsweise und -technik aber darüber hinaus, was man der Platte auch anhört. So klingt sie zwar in weiten Teilen wie eine moderne Auslegung der Beach Boys der Pet Sounds-Ära – ausgearbeitete Vokalharmonien, mehrlagige Falsett-Stimmen, Jingle-Jangle-Guitars und jede Menge Instrumenten-ferne Tonspuren. (»Mein eigenes Gitarrespiel habe ich auch gesampelt, aber nicht sehr häufig. Das war auch das einzige ›echte‹ Instrument, das ich neben meiner Stimme verwendet habe. Das Fehlen akustischer Instrumente ist auch einer der Hauptunterschiede zu meiner ersten Platte, aber einer von vielen, wie ich glaube.«) Daneben, drunter oder drüber, ganz wie man möchte, gibt es in Lennox’ verfremdeten Samples jede Menge andere Irrungen und Wirrungen zu entdecken. Wenn man will. Und wenn man »psyched« ist. Aber das wird man beim Hören ganz von allein.

Aktuelle CD:
Panda Bear: Person Pitch (Paw Tracks / Cargo)

Websites:
www.myspace.com/rippityrippity
www.paw-tracks.com