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Bauer Studios - Beirach und Mangelsdorff in LudwigsburgDass ein deutsches Tonstudio 60-jähriges Jubiläum feiert, ist eine Seltenheit. Und hätte Rolf Bauer nicht gleich nach dem Zweiten Weltkrieg sein Studio in Ludwigsburg geöffnet, wären weite Teile der Jazzgeschichte schlicht nicht existent. Am 28.12.1948 erhält Rolf Bauer die Genehmigung zur Eröffnung »eines Studios für moderne Schallaufnahmen«, und kurz nach dem Jahreswechsel geht es los. Von Rolf ThomasBauer Studios - Beirach und Mangelsdorff in Ludwigsburg

»Er hat zuerst im unmittelbaren Umfeld akquiriert«, schildert seine Tochter Eva Bauer-Oppelland die Anfänge. »Auf Sängerfesten und bei Gesangsvereinen gab es viele, die ihre Stimme einfach mal professionell aufgenommen hören wollten. Und als dann die ersten Anfragen vom Staatstheater Stuttgart kamen, ging es richtig los.«

Das ehrfürchtige Staunen darüber, dass da jemand einfach ins kalte Wasser gesprungen ist, relativiert sich etwas, wenn man mit Bauers Tochter spricht. »Damals war das ja kein großes Wagnis«, lacht sie. »Mein Vater hat sich sehr für Technik interessiert und war zusammen mit einem Ingenieur an der Herstellung von Tonbandgeräten beteiligt. Das war ihm aber irgendwann zu langweilig - und dann hatte er die Idee zu dem Studio.« Mit Kontakten zum »Bertelsmann Lesering«, dem Vorläufer des heutigen »Club Bertelsmann«, entstanden die ersten Klassikaufnahmen. Aber auch Sprachaufnahmen, Kinowerbung und das, was man heute Comedy nennen würde, war gefragt in Ludwigsburg. »Technisch waren wir immer vorneweg«, erinnert sich Bauer-Oppelland. »Wir haben bereits 1958 die ersten Stereo-Aufnahmen gemacht.«

Mit dem Umbau eines früheren Stadtteilkinos zu einem größeren Studiokomplex nimmt die Geschichte der Bauer Studios Fahrt auf; doch Jazz spielt noch keine Rolle. »Ernst Mosch und seine Original Egerländer waren damals angesagt«, lacht Eva Bauer-Oppelland. »Und Blasmusik ist eine Tradition, die wir auch immer noch pflegen.« Erst, als ein gewisser Manfred Eicher auf das Studio in der Nähe von Stuttgart aufmerksam wird, beginnt das, wofür die Bauer Studios bei Jazzfreunden einen unschlagbaren Ruf haben. Aufnahmen von Eberhard Weber, Keith Jarrett oder Jan Garbarek überzeugen nicht nur durch ihre Musik, sondern eben auch durch ihren transparenten und prägnanten Klang. »Es gab eine Zeit, da fand jede zweite oder dritte ECM-Produktion bei uns statt«, erinnert sich Bauer-Oppelland, selbst studierte Toningenieurin. »Manfred Eicher war ein junger Produzent, der wusste, was er wollte. Und in meinem Vater fand er einen gleichgesinnten Technikfreak, mit dem er sich gut verstand. Viele Sachen wurden extra für ECM angeschafft. Am Pult saßen bei uns fest angestellte Tonmeister, Carlos Albrecht und Martin Wieland waren über zwanzig Jahre bei uns. Insbesondere Martin Wieland war ein idealer Partner für ECM.«

Als Wieland die Tonschmiede verließ, bröckelte die Beziehung zu ECM. Doch dafür zogen andere Labels nach. Es gibt wohl heute kein renommiertes deutsches Jazzlabel, das nicht schon in Ludwigsburg aufgenommen hätte, darunter selbstverständlich auch Enja und ACT. Eva Bauer-Oppelland, die sich schon in jungen Jahren sehr für die Studio-Arbeit interessiert hat und seit 1976 in der Firma arbeitet, erklärt sich die Beliebtheit der Bauer Studios bei den Musikern durch die Ausrichtung: »Weil Jazz mir schon begegnet ist, als ich noch jung war, bin ich offen für alle Musikrichtungen. Wir beschränken uns auf Musikrichtungen, die tatsächlich noch mit der Hand gemacht werden, während die großen Studios doch sehr auf U-Musik fixiert sind. Jazzer haben ja heute meist eine klassische Ausbildung, sind aber entspannter.«

Von Barbara Thompson, Ralph Towner, Nils Wogram, Rabih Abou-Khalil, Kenny Wheeler, Paul Motian, Richie Beirach und Oregon bis zu Jaco Pastorius, Hildegard Knef, Lee Konitz, Albert Mangelsdorff, André Heller, Elvin Jones, Chick Corea und Michael Wollny hat wirklich alles in Ludwigsburg aufgenommen, was Rang und Namen hat. An große Probleme mit den unterschiedlichen Musikern aus aller Welt kann sich Eva Bauer-Oppelland nicht erinnern: »Ludwigsburg ist natürlich ein bisschen gewöhnungsbedürftig. US-Musiker sind es gewohnt, 24 Stunden am Tag Essen zu kriegen. Aber bei uns steht der Service an erster Stelle und wir bemühen uns, so manches möglich zu machen.« Manche Beschwerden wirken auch aufgesetzt: »Der amerikanische Pianist von Thomas Quasthoff wollte unseren Flügel nicht. Dabei ist der erste Wahl, aber natürlich schon etwas älter. Ich hatte das Gefühl, er wollte mal testen, ob wir von Freitagabend bis Samstagmorgen einen neuen ›Steinway‹ ins Haus kriegen.« Es hat selbstverständlich geklappt.

Seit fünf Jahren haben die Bauer Studios mit Neuklang auch ein eigenes Jazzlabel, das sich mit Produktionen von Olivia Trummer, Christoph Stiefel, Andreas Böhmer, Alexandra Lehmler, Helmut Eisel und Julia Oschewsky schnell einen Namen gemacht hat. »Wir haben immer Anfragen von Musikern gekriegt, die bei uns aufnehmen wollten, aber über kein Label verfügten«, erzählt Eva Bauer-Oppelland. »Um sich mit den Aufnahmen durchzusetzen, brauchen sie aber ein Label. Und wenn man erst einmal damit anfängt, geht es schnell weiter.« Dabei will das Studio bei eigenen Produktionen durchaus Einfluss nehmen: »Wir wollen selbst beteiligt sein. Fertige Aufnahmen wollen wir nicht, denn schließlich bieten wir nicht nur eine perfekte Aufnahmesituation und einen hervorragenden Klang, sondern auch Service und Beratung.«

Beste Voraussetzungen dafür, dass aus Ludwigsburg auch in den nächsten sechzig Jahren einiges von dem Stoff kommt, aus dem die Jazz-Träume sind.


Website:
www.bauerstudios.de