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J03 greenIn jeder Ausgabe der JAZZTHETIK werden die aktuellen CD und DVD Neuerscheinungen aus Jazz, Weltmusik, Elektronik, Blues, u.v.m. vorgestellt. Neben den Einzelvorstellungen gibt es auch Kolumnen zu speziellen Themen. Hier finden Sie 3 ausgewählte Rezensionen zum Probelesen!

 Christy Doran‘s New Bag
Elsewhere
Challenge / In-Akustik
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Christy Doran war immer schon viel mehr als ein Jazz-Gitarrist, wenn er Rockstilistiken, ethnische Elemente und vieles mehr zu reibungsvollen Fusionen verdichtete. Und Sarah Buechli gehört wohl kaum zu jener angepassten Sorte von Jazzsängerinnen, die devot an aufpoliertem amerikanischen Standardmaterial festkleben. Doran spielt auf Elsewhere seinen ganzen Erfindungsreichtum aus – vor allem in Sachen langer, verschlungener Bögen, verquerer Intervallsprünge und chromatischer Reibungen. Sarah Buechli braucht genau dies, um loszulegen, um sich selbstbewusst um den Verstand zu singen. Sarah Buechli entfacht hier viel rockige Rauheit, aber sie beherrscht auch die Kunst, an sämtlichen unregelmäßig verwirbelten Metren dranzubleiben. Davon sollte man hier auch ausgehen: Sarah Buechli ging unter anderem beim Karnatka College of Percussion in die Lehre, und da stand wohl auch einiges mehr als Viervierteltakt auf der Agenda.
Doran stellt seine subtile Saitenartistik in den Dienst der gemeinsamen Sache. Und auch Keyboarder Vincent Membrez und Lionel Friedli an den Drums geben ihr Bestes, um der extrovertierten Vokalistin alle denkbaren roten Teppiche auszulegen. Mal heften sich futuristische Fender-Rhodes-Linien an die Fersen von Buechlis stürmischen Gesangslinien, mal befeuern polternde Schlagzeug-Eruptionen so manchen ekstatischen oder auch lautpoetischen Vorstoß der Sängerin. Das alles vereint sich auf dieser CD zu einem konsistenten, durchhörbaren Bogen. Elsewhere ist auf jeden Fall eine Platte mit erfrischendem Biss.
Stefan Pieper


John Abercrombie
The First Quartet
ECM / Universal
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„Jeder, der Ohren hat, kann nur von der wunderbaren Integrität seiner Improvisationen gefesselt sein – aber auch von seiner unglaublichen Weise, wie er die elektrische Gitarre spielt. Er ist besser denn je!“ Mit dieser Hymne hat kürzlich kein Geringerer als John Scofield den Hut vor seinem Gitarrenkollegen John Abercrombie gezogen. Und natürlich kann man Scofield nur zustimmen, wenn man sich allein Abercrombies Album 39 Steps anhört. Ein schwergewichtiger Grundstein für diese Erfolgsgeschichte des inzwischen über 70-jährigen, aber weiterhin in Geist und Fingern ewig jungen Abercrombie wurde Ende der 70er Jahre gelegt. Als er mit seinem allerersten Quartett ins Aufnahmestudio ging und innerhalb von drei Jahren drei Alben für ECM einspielte, das seitdem Abercrombies künstlerisches Zuhause ist. Mit dabei waren die alten Freunde aus gemeinsamen Bostoner Studientagen, Bassist George Mraz und Schlagzeuger Peter Donald, am Klavier nahm Richie Beirach Platz. Und auch wenn dessen große Zeit längst vorbei ist, so entpuppt sich die Wiederbegegnung mit seinem an der lyrischen Bill-Evans-Schule angelehnten Sound genauso als Ohrenschmaus wie überhaupt das Wiederhören mit Abercrombies First Quartet. Auf dieser 3 CD-Box mit den Alben Arcade, Abercrombie Quartet und M sind ausschließlich Stücke von den Band-Mitgliedern zu hören. Und jede der insgesamt 18 Kompositionen ist eine einzige Feier des subtilen Geschmacks und der Traditionsverbundenheit, des kultivierten Understatements und des blinden Verständnisses untereinander. Mit seinem markanten, aber selbstverständlich nie zur Schau gestellten Single-Note-Spiel trumpft Abercrombie ausschließlich als Primus inter Pares auf – wobei dieses Auskosten von poetischen Stimmungen immer auch ein wenig an jenen Pat Metheny erinnert, der seine Karriere nicht zufällig ebenfalls bei ECM gestartet hat. Vor mehr als 30 Jahren sind diese Einspielungen entstanden. Doch um ein Wort von Abercrombie-Fan Scofield aufzugreifen, kennt künstlerische Integrität auf diesem Niveau schlichtweg kein Alter.
Guido Fischer


Shai Maestro Trio
Untold Stories
(o-tone / edelkultur)
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Mit Untold Stories, der dritten Aufnahme des Trios, tritt der israelische Pianist Shai Maestro endgültig aus dem Schatten seines ehemaligen Chefs und Mentors Avishai Cohen, dessen Band er von 2006 bis 2011 angehörte und deren Sound er mit seinem virtuosen und hochsensiblen Spiel entscheidend mitgeprägt hat. Die Aufnahmen für diese musikalischen Geschichten entstanden live und im Studio in Paris und Brooklyn. „Maya's Song“, das Eröffnungsstück, erinnert mit seinen aberwitzig vertrackten Metren, der leicht hymnischen Melodieführung und seiner umwerfenden Dynamik schwer an den Cohen'schen Klangkosmos. Oder die poetisch verspielte Solo-Piano-Ballade „When You Stop Seeing“, deren leicht poppig-melancholische Melodie sich nachhaltig in die Gehörgänge brennt. Mit „Treelogy“ gibt das interaktive und kommunikationsfreudige Trio dann wieder richtig Gas und agiert mit einer schier überschäumenden Lust und Spielfreude. In dem peruanischen Bassisten Jorge Roeder und seinem Landsmann Ziv Ravitz am Schlagwerk hat Maestro ein kongeniales Team um sich geschart, das in den fünf Jahren des intensiven Zusammenspiels zu einer traumhaften Einheit verschmolzen ist.
Andreas Collet