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jazzthetikIn jeder Ausgabe der JAZZTHETIK werden die aktuellen CD und DVD Neuerscheinungen aus Jazz, Weltmusik, Elektronik, Blues, u.v.m. vorgestellt. Neben den Einzelvorstellungen gibt es auch Kolumnen zu speziellen Themen. Hier finden Sie 3 ausgewählte Rezensionen zum Probelesen!



Le Café Bleu International
Tells Bedtime Stories
Enja / Soulfood
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Man taucht ganz tief in eine verwunschene Welt ein, wenn man diese CD in den Player schiebt. Mit der ungewöhnliche Besetzung – zu dem Saxofonisten Matthieu Bordenave und dem Gitarristen Leonhard Kuhn gesellt sich lediglich Schlagzeuger Jay Lateef – hatten Le Café Bleu International ja schon auf ihrem Debüt-Album Plays Edith Piaf auf sich aufmerksam gemacht. Auf der neuen Sammlung von Gutenacht-Geschichten geht es um internationale Kino-Erfolge, vornehmlich für Kinder (wenn man Sissi jetzt mal großzügig als einen Kinderfilm für Erwachsene auffasst), und Artverwandtes wie lettische Volks- und koreanische Kinderlieder. Aber wie das Trio diese Musik bearbeitet, das ist fast schon einzigartig. Mit Anleihen aus dem Archiv der Exotica (Sie wissen schon: Martin Denny, Les Baxter und dergleichen) und einem Hang zu Ruhe und Kontemplation verwandeln sich all diese Melodien in magischen Stoff. Natürlich kommt auch so etwas nicht aus dem Nichts. So erinnert die Behandlung seines Instruments durch Leonhard Kuhn so manches Mal an Bill Frisell, und Matthieu Bordenave hat sicher schon mal so manchen skandinavischen Kollegen gehört. Aber alle drei Musiker zusammen kreieren eben doch ihre ganz eigene Welt. Anspieltipp: „Jungle Book Overture“ – spätestens danach ist man Le Café Bleu International verfallen.
Rolf Thomas



Triozean

Koschki
Neuklang / Edel:Kultur
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Gegründet vor zehn Jahren von der aus Russland stammenden Pianistin Olga Nowikowa, feiert das Dresdner Trio mit dem vierten Album sein Jubiläum und gleichzeitig ein Debüt, lässt sich Nowikowa hier doch erstmals auch als Sängerin hören. Aber nicht von eigenen Texten, sondern denen der russischen Dichterin Marina Iwanowna Zwetajewa und der Journalistin Kristina Adrianowa. Kennt man Triozean bereits, mag diese neue stimmliche Farbe zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig sein. Aber letztlich harmoniert sie bestens zu den von Novikowa und ihren Partnern, dem Bassisten Lars Födisch und dem Schlagzeuger Krishan Zeigner, leichtfüßig humorvoll gespielten Tango-Adaptionen, folkloristischen Russlandmotiven, Klassik-Schwärmereien und jazzrockig angetriebenen Losgehnummern. Diese Spektrum wurde stimmig verwoben und belegt so, wie offen und zugänglich, ohne jedes Genrediktat, das Triozean seine Musik in die eigene, spannend arrangierte Form übersetzt, die nun auf Koschki zu hören ist.
Olaf Maikopf



matsushita free coverSachie Matsushita

Free
Fixcel Records
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Sachie Matsushita ist nicht gerade ein „household name“ in der Welt des Jazz. Die japanische Pianistin ist vor ein paar Jahren nach Deutschland gezogen und hat dann an der Frankfurter Musikhochschule ein Studium absolviert. Jetzt hat sie mit ihrem Mentor, dem Bassisten Vitold Rek, und dem Schlagzeuger Erwin Ditzner ein Album eingespielt, das unabgesprochen, vollkommen spontan bei einem Konzert entstand. Free heißt der Titel, der nicht zufällig ist: Er gibt die Richtung vor.

Matsushita erweist sich als vielfältige Musikerin, die virtuos und mit viel Form- und Fingergespür ihre Pianomusik in verschiedene Richtungen entwickelt und damit an die Tradition japanischer Jazzpianistinnen anknüpft, die von Toshiko Akiyoshi bis zu Aki Takase reicht. Manchmal sind es ungebundene Interaktionen, bei denen die Musiker ohne Metrum und Struktur ganz der Intuition folgen, ein andermal wird über einem vorgegebenem Rhythmus improvisiert, wobei sich Grooves herausbilden, die dann weiterentwickelt, variiert und verändert werden.

Es gibt behutsame Stücke, die eher impressionistisch eine poetische Stimmung schaffen, während andere wiederum eruptiven Ausbrüchen gleichkommen, bei denen die Tonkaskaden Matsushita nur so aus den Fingern quellen. Ihre beiden Begleiter agieren einfühlsam und reaktionsschnell und wissen auch in ihren Soli zu gefallen. Was allerdings etwas störend wirkt, ist die unvermittelte und abrupte Art, wie manche Stücke dieses Albums enden. Sie reißen ganz ab.
Christoph Wagner