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J03 greenIn jeder Ausgabe der JAZZTHETIK werden die aktuellen CD und DVD Neuerscheinungen aus Jazz, Weltmusik, Elektronik, Blues, u.v.m. vorgestellt. Neben den Einzelvorstellungen gibt es auch Kolumnen zu speziellen Themen. Hier finden Sie 3 ausgewählte Rezensionen zum Probelesen!

 A BuA Bu
Butterflies Fly In Pairs
***(*)
Schon auf seinem ersten Album, das er im zarten Alter von dreizehn Jahren eingespielt hatte, sorgte der chinesische Pianist A Bu für Verblüffung. Mittlerweile ist er siebzehn und legt Album Nummer zwei vor. Waren es auf dem ersten Album noch weitgehend Cover-Versionen und Fingerübungen, die einem musikalischen Wunderkind ja auch gut zu Gesicht stehen, macht A Bu nun Musik, und zwar seine eigene. Fast alle der elf Titel auf dieser CD – eine DVD mit Studio-Impressionen liegt ebenfalls bei – stammen aus seiner Feder und sind irgendwo zwischen Mainstream-Jazz, Fusion und Latin-Anklängen angesiedelt, wo sich zum Beispiel auch der junge Chick Corea zu Hause fühlte. Mit dem Bassisten Tom Kennedy (der oft bei Randy Brecker zu hören ist) und dem jungen Schlagzeuger Ryan J. Lee (er spielt zum Beispiel bei Bobby Watson) hat A Bu zwei versierte Mitstreiter an Bord, die dafür sorgen, dass der Funke öfter mal überspringt. Zudem ist das Album klug komponiert. Gaststar Antonio Hart schaut mit seinem Saxofon zweimal vorbei, ein Flötist und ein kleiner Bläsersatz sind an anderer Stelle zu hören, und die Sängerin Cecilia Stalin veredelt „Memories of Love“. Für Abwechslung ist also gesorgt – und dafür, dass aus dem Album kein Ego-Trip wird. Aber natürlich sind es die Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit, mit der A Bu seine perlenden Läufe und mitreißenden Improvisationen aus dem Ärmel schüttelt, die hier für den Mehrwert sorgen. Und dabei ist der junge Mann nicht einmal volljährig.
Ulrike Proske

Albert und Emil MangelsdorffAlbert und Emil Mangelsdorff
Early Discoveries
SWR Jazzhaus / Naxos
*****
Wer sich für Stilgeschichte im Jazz interessiert, kann hier bemerkenswertes Material finden über den sogenannten Frankfurt-Sound, der in den fünfziger Jahren als eine Mischung aus Bop und Cool entstand, ein Standbein im Swing und Mainstream hatte und das akustische Emblem der damaligen sogenannten deutschen Jazz-Hauptstadt war. Musikalische Entwicklungen, die innerhalb von zehn Jahren in mehrere Richtungen gingen, erscheinen hier exemplarisch in ausgewählten Studio- und Live-Aufnahmen.
Auf CD 2 zum Beispiel gibt es das Duo „I Can’t Get Started“ mit Albert Mangelsdorff, Posaune, und Attila Zoller, Gitarre, im Studio eingespielt am 12. März 1953: Man hört die Bemühungen um amerikanische Eleganz und eine gewisse Schüchternheit bei der Befolgung der Regeln, aber auch souveränes Können und einen Impuls, der weiterwill. Zehn Jahre später, im Januar 1963, spielt Albert mit dem Bassisten Peter Trunk ein Duo ein, das den Titel „Studie für Posaune“ bekommt. Artikulationen und Phrasierungen sind völlig eigenständig, virtuos und voller kleiner Überraschungen. Zusammen mit Peter Trunk, der sich ungemein sensibel, variationsreich und ebenfalls völlig eigenständig einzubringen weiß, entsteht ein klares und vielschichtiges Klang-Konzept.
Erhellend sind auch die German All Stars von 1963 und das Joki Freund Sextett aus dem Jahr 1957. Hier geht die Bewegung weg vom metallenen Bläser-Sound hin zu einer luziden kammermusikalischen Konzeption, die gleichwohl dem Jazz den treibenden Charakter einer Tanzmusik erhalten will. Man hört ungemein bewegliche, variantenreiche und vollendet artikulierte Altsaxofon-Soli von Alberts Bruder Emil, der an der Entwicklung des Frankfurt-Sounds von Anfang an maßgeblichen Anteil gehabt hat.
Ein Konzert des Albert Mangelsdorff Quintetts aus dem Jahr 1961 füllt die erste CD und präsentiert den berühmten Sechziger-Jahre-Frankfurt-Sound in Vollendung zwischen Charlie Parkers „Now’s the Time“ und Mangelsdorffs „Dada Marsch“.
Hans-Jürgen Linke


Nils Wogram & Bojan Zbojan z and nils wogram
Housewarming
nWog / Edel:Kultur
*****
Erstmals trafen der in der Schweiz lebende deutsche Posaunist Nils Wogram und der in Frankreich lebende serbische Pianist Bojan Zulfikarpasic, der Einfachheit halber nennt er sich kurz Bojan Z, beim Festival Jazzdor Straßburg Berlin im Jahre 2012 aufeinander. Und da haben sich zwei gesucht und gefunden! Doch es sollte vier weitere Jahre dauern, bis ein Tondokument der beiden Ausnahmemusiker die Hörorgane des geneigten Connaisseurs erfreut. Seit Dezember 2013 spielten die beiden des Öfteren Konzerte, so dass sich eine gewisse Form und Tonsprache entwickeln konnte. Und diese präzise, evolutionsartige Abgeklärtheit ist in jedem der zehn Stücke, deren Klangpalette von traditionell-schlicht bis hin zu groovig mit avantgardistischen Klecksen reicht, zu hören. So nutzt Bojan Z noch zusätzlich das klangfarbenprächtige Fender Rhodes, und Wograms Posaune singt variationsreich-formvollendet wie eine Amsel, kann aber auch beizeiten wie eine nach Luft schnappende, an Land gestrandete Forelle klingen. Schlichtweg ein großartiges, fantastisches Duo-Album, das bei aller einnehmender Virtuosität einfach Spaß macht.
Andreas Collet