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Zum Tode unseres Autoren Franz X.A. Zipperer.

 Von Hans-Jürgen Linkezipperer2Franz X.A. Zipperer

Franz Zipperer ist gestorben. Nicht „von uns gegangen“, das hätte er nie und nimmer getan. Er war doch immer da, wenn man ihn brauchte. Tat, wenn man ihn fragte, immer alles, was er konnte. Und er hatte noch so viel vor. Fassen kann es niemand, dass er jetzt nicht mehr da ist, auch glauben mag es keiner. „Ich habe ihn doch neulich erst da-und-da gesehen, da war er wie immer“, sagen die Kollegen, oder: „Ich wollte ihn doch nächste Woche fragen, ob er das-und-das für uns tun könnte.“ Man kann sich seinen Tod nur als eine äußerst unfreiwillige Sache vorstellen, wie einen Überfall.

Franz gehörte zu den rastlosen Temperamenten, aber das merkte man nicht gleich. Nach außen wirkte er ruhig, überlegt, offen, neugierig und bei alledem irgendwie ausgeglichen. Aber es war nicht nur seine Weltzugewandtheit, die ihn wach hielt, es war auch ein enormes Arbeitspensum, ohne das er sich sein Leben offenbar nicht vorstellen konnte. Oder wollte. Allein die Liste der Publikationen, für die er arbeitete, spricht eine deutliche Sprache.

Die JAZZTHETIK war eine davon. Das Motto „Jazz und Anderes“ passte zu seinem Lebensprogramm recht gut. Dabei war es ihm einigermaßen gleichgültig, was dieses Andere war, nur seine festgefügten Vorstellungen von Qualität gab er nicht preis. Er schrieb über Xavier Naidoo wie über Frank Zappa, über Weltmusik wie über freien Jazz, stets mit der gleichen Konsequenz, mit Empathie, mit Verständnis und weitem Horizont. Er schrieb immer über Musik, nie über kategorial eingeschränkte Stile. Verengungen seiner Perspektiven waren ihm fremd.

Sein Horizont und sein Arbeitspensum waren auch durch eine Eigenschaft definiert, die er mit vielen Kollegen teilt. Er wollte und konnte nie wirklich Nein sagen. Jede Anfrage, jedes an ihn herangetragene Projekt und umso mehr noch jede eigene Idee enthielt die Chance, ihm sogleich ein interessantes neues Areal der Musik zu eröffnen. Da konnte er kaum je widerstehen. Allerdings gab es womöglich auch einen anderen Grund für diese chronische Rastlosigkeit: Freie Journalisten im Musikgewerbe sind selten auf einer ökonomisch unproblematischen Seite der alltäglichen Existenz zu Hause. Sie müssen sich tummeln. In aller Regel nehmen sie lieber zwei Aufträge zu viel an, als sich einen entgehen zu lassen. Man kann ja nie wissen. Und zu viel Geld verdient man auch mit zu vielen Aufträgen sicher nie.

Franz Zipperer wurde am 3. April 1952 in Bodendorf, heute Sinzig, Rheinland-Pfalz, geboren. Als er Ende August starb, hatte er also die Mitte seines 64. Lebensjahres noch nicht ganz erreicht. Seine journalistische Karriere begann früh, und von Anfang an war der Kulturbetrieb ihr Schauplatz. Nach seinem Studium – Pädagogik, Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft in Bonn und Köln – arbeitete er für das Kulturamt und die Stadtbibliothek in Wuppertal, war Leiter des Modellversuchs Kulturladen Uellendahl, baute in Düsseldorf ein Kommunikations- und Kulturzentrum mit auf und war Mitglied des Theaterbeirats der Stadt und Jurymitglied bei der Vergabe eines Musikförderpreises. Nebenher schrieb er für Magazine und regionale Tageszeitungen Musik- und Schallplattenkritiken. Er begann dann, als selbstständiger Künstleragent zu arbeiten, und wechselte um die Jahrtausendwende zum Journalismus. Er wurde Mitherausgeber des Bläser-Magazins CLARINO.PRINT und schrieb über mehrere Arten von Musik für mehrere deutsche und Schweizer Magazine und Tageszeitungen, für die dpa, das Folk-Magazin FOLKER, und bei dem Hamburger Radiosender TIDE 96,0 hatte er eine monatliche Sendung mit dem Titel Sound Traveller – in 80 Takten um die Welt.

Franz Zipperer war, als er starb, gerade in einem Alter angekommen, in dem andere im Idealfall auf eine komfortable Rentner-Existenz zusegeln. Freie Autoren sind da in einer anderen Situation, die nicht zuletzt auch dadurch geprägt ist, dass manches langsam etwas mühsamer wird. Das war ihm sicher auch nicht unbekannt. Aber ein Grund, irgendetwas freiwillig nicht mehr zu tun, war das nicht. Franz Zipperer wird der JAZZTHETIK fehlen, überall.