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Lars Danielsson & Leszek MozdzerDer schwedische Komponist, Arrangeur, Bassist und Cellist Lars Danielsson ist nicht zuletzt durch seine drei bei ACT erschienenen CDs ein bestens eingeführter Name. Sein Partner Leszek Mozdzer dagegen ist bei uns nahezu unbekannt, in Polen jedoch ein Superstar. Grund genug, den Pianisten einmal näher vorzustellen. Lars Danielsson & Leszek MozdzerVon Rolf Thomas

Lars Danielsson und Leszek Mozdzer trafen sich zum ersten Mal vor vier Jahren bei einem Konzert in Warschau. »Wir spielten in der Band von David Liebman«, erinnert sich Mozdzer. »Ich war von Lars’ Fähigkeiten sehr überrascht und wollte etwas mit ihm machen. Daraufhin schrieb er mir seine Telefonnummer auf einen Zettel - der aber leider zusammen mit meiner Hose in der Waschmaschine landete. Da Musiker sich auf Konzerten öfter mal verabreden, ohne, dass da was draus wird, ging ich davon aus, nie mehr was von Lars zu hören. Aber es war eben doch kein leeres Gerede - nach ein paar Monaten rief er an.«

Zwei Alben mit dem israelischen Perkussionisten Zohar Fresco, die ausschließlich in Polen veröffentlicht wurden, waren die Folge; und Mozdzer gastierte auf der Tour zu Danielssons letzter Platte Mélange Bleu (ACT / Edel Contraire). Auf dem ACT-Piano-Sampler Piano Works ist er ebenfalls mit einem Stück vertreten.

Der 1971 geborene Leszek Mozdzer erhielt mit fünf Jahren erste Klavierstunden. 1996 schloss er seine Ausbildung mit dem Diplom der Stanislaw-Moniuszko-Musikakademie in Danzig ab. Seit seiner Zeit bei der Gruppe Milosc ist er auch als Jazzmusiker bekannt. Von 1993 bis 1999 wurde er von den Lesern des polnischen Jazzmagazins JAZZ FORUM durchgehend zum besten Jazzpianisten Polens gewählt. Mozdzer hat im Zbigniew Namyslowski Quartet gespielt, bei Jan Kaczmarek, Tomasz Stanko, Michael Urbaniak und Piotr Wojtasik, aber auch bei Arthur Blythe, Buster Williams, Joe Lovano, Pat Metheny und Archie Shepp. Seit 1994 hat er acht CDs eingespielt und sich auch als sensibler Chopin-Interpret einen Namen gemacht. Doch auch der Rockmusik kann er etwas abgewinnen - so zählen etwa Pink Floyd zu seinen frühen Helden. Da war es dem Pianisten natürlich eine besondere Ehre, als David Gilmour für sein Solo-Album On an Island bei ihm anfragen ließ. »Er ist sehr nett und vor allem ein sehr guter Musiker«, ist Mozdzer des Lobes voll. »Für mich waren die Aufnahmen natürlich pure Magie. Ich spielte Klavier, während ich David Gilmours Gitarre auf dem Kopfhörer hatte und ihn durch die Scheibe im Aufnahmestudio singen sah. Das war eine ganz starke Erfahrung und ließ mir wirklich die Gänsehaut den Rücken runterlaufen.«

Doch zurück zu Lars Danielsson, denn das Duo-Album Pasodoble kann mit On an Island durchaus mithalten - wenn auch in einer ganz anderen Liga. Das intime Duo-Album zieht einen sofort in seinen Bann. »Seit unserem ersten Gig hatte ich das Gefühl, dass Lars genau der Bassist ist, mit dem ich spielen möchte«, meint Leszek Mozdzer. »Wenn er dabei ist, brauche ich über Musik nicht nachzudenken, ich kann sie einfach fühlen. Ich hatte das Gefühl, dass wir ein Konzept bräuchten, als wir ins Studio gingen, aber Lars meinte nur: ›Wir werden Musik spielen, das ist alles.‹ Diese Erfahrung inspirierte mich und gab mir ein solches Selbstvertrauen, dass ich am selben Abend im Hotelzimmer noch zwei Stücke komponierte. Sie sind beide auf dem Album. Wenn ich mit Lars musiziere, spiele ich viel besser als sonst. Ich hoffe wirklich, dass diese Zusammenarbeit dauerhaft sein wird.«

Bis auf den schwedischen Folksong »Eja Mitt Hjärta« spielen die beiden ausschließlich Eigenkompositionen und haben ihre Aufnahme auch selbst produziert. »Leszek ist für mich der perfekte Pianist«, findet Lars Danielsson. »Musikalisch gesehen sind wir einfach vom selben Planeten. Wir haben angefangen, diese Aufnahme zu planen, nachdem wir auf einer Tour hin und wieder Stücke im Duo gespielt haben. Siggi Loch hatte dann die Idee, ein reines Duo-Album aufzunehmen. Diese Art zu spielen ist für mich wie ein Traum. Mit Leszek habe ich das Gefühl, jederzeit in die Richtung gehen zu können, in die mich die Musik gerade führt.«

Da kann mal wieder hören, wie gute Ohren Siggi Loch hat - er zwingt die beiden Ausnahmemusiker auch nicht, Ralph-Siegel-Songs zu spielen. Und für den weißen Anzug, in den Herr Mozdzer sich auf dem Cover gezwängt hat, ist er auch nicht verantwortlich. »Ich bin ein Anzug-Freak«, gibt Leszek Mozdzer sofort zu. »Ich mag Anzüge einfach und finde es auch gut, sich auf der Bühne etwas rauszuputzen. Für viele Leute im Publikum ist ein Konzert schließlich etwas Besonderes, und da sollte man als Musiker ruhig Rücksicht drauf nehmen.« Wynton Marsalis würde wohl mit dem Kopf nicken. »In dem Fall ist mir egal, was Wynton Marsalis dazu sagt«, lacht Mozdzer, »ich mag Anzüge einfach.«


Aktuelle CD:
Lars Danielsson & Leszek Mozdzer: Pasodoble (ACT / Edel Contraire)