Diese Website verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.

JazzmattazDer Guru ist wieder da - Keith Elam alias Gifted Universal Rhymes Unlimited, als Rapper von Gang Starr eine der prägnantesten und langlebigsten Stimmen im Rap. Und mit seinem Jazzmattaz-Outfit, bei dem ihm mittlerweile der junge New Yorker Producer Solar zur Seite steht, der Pate der smarten Fusion von HipHop und Jazz.

JazzmattazVon Eric Mandel

Es gab Stetsasonics Talkin All That Jazz, es gab Gang Starrs eigenes Jazz Thing, mit dem Spike Lees Mo Better Blues endete. Ron Carter spielte Bass für A Tribe Called Quest, und Branford Marsalis über die klaustrophobischen Soundbunker von Public Enemy, dann kamen Acid Jazz und die Digable Planets. Aber wen immer man fragt: Wenn es um den ersten kohärenten Brückenschlag zwischen dem ungezogenen Neffen HipHop und dem weisen Onkel Jazz (die älteren Cousins Funk und Soul schauten natürlich auch vorbei) geht, einigen sich alle auf Guru und sein Projekt Jazzmatazz. »Kohärenz ist das Schlüsselwort«, nickt Superproducer DJ Solar und elaboriert: »Vorher hatte immer mal jemand ein heißes Sample in seinem Track, aber was Guru damals tat, war ein komplettes, durchdachtes Konzept. Die Platte hat mich damals umgeschmissen. Und daran hab ich mich bei der Produktion von Volume 4 orientiert.« Und so kann sich Solar auf die Fahne schreiben, das erfolgreiche Fusion-Franchise Jazzmatazz fast im Alleingang revitalisiert zu haben, nachdem Teil 3 - trotz guter Gastauftritte von Erykah Badu und Kelis – für einigen Credibility-Verlust gesorgt hatte. Der Chef vons Ganze weiß, woran’s lag: »An A&Rs, die mir ohne tieferes Verständnis für die Kultur ständig erzählten, wer alles mit dabei sein sollte, wer produzieren sollte und so weiter. Als Resultat wirkte mein letztes Jazzmatazz eher wie eine Compilation, nicht wie ein geschlossenes Stück Arbeit. Für das neue Album haben wir 40 Songs produziert und 16 davon ausgewählt ... nicht notwendigerweise die heißesten, aber diejenigen, die in ihrer Kombination die Idee des Ganzen am besten auf den Punkt bringen.«

Guru ist auffällig gut drauf und plaudert, noch bevor die erste Frage gestellt wird, locker zehn Minuten solo über all die guten Dinge, die ihm widerfahren sind: Zunächst die Gründung seines eigenen Labels 7 Grand, die Unabhängigkeit und kreative Kontrolle über die eigene Arbeit - darunter ein zunächst zwar kaum beachtetes Soloalbum Street Scriptures, das aber ohne großen Vertrieb und wenig Promotion mittlerweile immerhin 125.000 Mal verkauft wurde. Ferner eine erfolgreiche Tour, bei der Guru und Solar Gang-Starr-Klassiker, Jazzmatazz-Material und aktuelle Produktionen bei hohem Energielevel zu einer beeindruckenden Revue verkochten. Außerdem hat Guru aufgehört, zu trinken, und wirkt schlanker, fitter, umgänglicher und optimistischer als je zuvor. Wenn den Mann irgendwie wurmt, dass sein ehemaliger Partner DJ Premier mittlerweile einer der begehrtesten Producer der Staaten ist (Gang Starr ist und bleibt Geschichte), ist ihm das nicht mehr anzumerken. Das liegt wohl auch zu einem großen Teil an dem positiven Input seines neuen Partners.

»Damals wollten die mich mit den angesagten Produzenten zusammenbringen. Nun, nichts gegen diese Kollegen, aber ich bin ein Typ, der seinen eigenen Style braucht. Ich kann nicht auf jedem Wagen mitfahren. Und so, wie ich damals das Talent von DJ Premier für mich entdeckte, entdeckte ich jetzt einen neuen Sound – eben Solar. Ihn kannte ich fast zwei Jahre, bevor er mir überhaupt was von sich vorgespielt hat. Das fand ich schon mal ziemlich cool, denn normalerweise quasseln einen ja Producer sofort voll, von wegen sie haben die Beats, auf die du dein Leben gewartet hast. Aber als ich seine Sachen hörte, stellte ich fest, dass er beinahe meine Gedanken lesen konnte, denn sein Sound entsprach ziemlich dem, was ich in der Zukunft vorhatte. Und ich denke, kaum ein junger Producer hat je in so kurzer Zeit mit so vielen Spitzenleuten gearbeitet wie Solar. Ich schätze, er hält jetzt einen Rekord.«

In der Tat. In der guten Tradition des Projektes, das bereits Donald Byrd, Courtney Pine, Freddie Hubbard, Bahamadia, Kool Keith, Roy Ayers und N’Dea Davenport zu Gast hatte, versammelt Volume 4 – The HipHop Messenger - Back To the Future so klangvolle Namen wie Omar, Blackalicious, Common, David Sanborn, Slum Village, Damian Marley ... und nicht zuletzt Bob James, auf dessen Beitrag Solar besonders stolz ist. »Ich glaube, ›State of Clarity‹ ist meine Lieblingsstück. Zum einen, weil Common genau das macht, was ich von ihm erwartet habe: deepen, introspektiven Rap. Und dann eben Bob James persönlich am Keyboard. Bob James hatte vielleicht den größtem Break im HipHop, von James Brown abgesehen: ›Mardi Gras‹ – Unzählige haben einen Teil dieses Breaks benutzt. Und das ist für viele ein blinder Fleck: die Herkunft klassischer Breaks. Es geht mir immer um die Frage: Was ist das Spezielle an dem Break, was vermittelt den Groove, wo kommt die Magie her - und wie kann ich sie einfangen und in neuem Kontext aufscheinen lassen? So wie die wichtigste Basslinie des HipHop, Chics ›Good Times‹, eine Umsetzung des Walkin Bass auf den E-Bass war und dann das Fundament für die Sugarhill-Gang wurde – und ›Another One Bites the Dust‹ als Disco-Version aus der Perspektive englischer Rockmusik. Die Energie und die Geschichte, die in so einer Bassline liegt, das hat mich angetrieben.«

So ist Volume 4 zu dem Ideal zurückgekehrt, das Guru von Anfang an vorschwebte. Eine Musik, die zwischen den Genres vermittelt, die Differenzen feiert und die Ähnlichkeiten nutzt. Und Ähnlichkeiten findet Guru, vor allem zwischen HipHop und Jazz, immer noch genug: »Na klar, beide begannen als Subkulturen und eroberten die ganze Welt. Beide brachten Leute aus verschiedenen Gegenden zusammen: Ex-Sklaven, die aus dem Süden kamen, Leute aus der Karibik, Afrokubaner und klassisch ausgebildete Weiße – alle kamen zusammen! Beides waren Melting Pots verschiedener Einflüsse, und beide haben ihre eigene Sprache, damals Jive Talk, heute den Street Slang. Bei beiden gab es Interracial Dating und Marihuana-Rauchen. Alles sehr verwandt. Und das alles wollten wir mit drinhaben.«

Aktuelle CD:
Guru’s Jazzmatazz: The HipHop Messenger - Back To the Future (7 Grand / V2)