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hifi 0315 1Von Röhren und Minihörnern.
Der Ausruf „Wie süß!“ ist der natürliche Reflex beim Betrachten der HiFi-Mini-Combo des deutschen Vertriebs Audio-Gadgets. Die Leidenschaft für Musik in heimischen Gefilden muss ja nicht immer mit einer großen, status- und staubfördernden Musikanlage dokumentiert werden.

 audio gadgetsVon Peter Steinfadt

Der Ausruf „Wie süß!“ ist der natürliche Reflex beim Betrachten der HiFi-Mini-Combo des deutschen Vertriebs Audio-Gadgets. Die Leidenschaft für Musik in heimischen Gefilden muss ja nicht immer mit einer großen, status- und staubfördernden Musikanlage dokumentiert werden. Oder doch? Ist die schnuckelige Kette, bestehend aus einem Röhrenvollverstärker, zwei Lautsprecherhörnchen sowie einem Mini-Subwoofer mehr als ein Design-Gag für Augenmenschen? Kann das auch Musik? Schauen wir das dunkelgrüne, an alte Rundfunktechnik erinnernde HiFi-Paket näher an. Produziert werden die Bausteine in Kleinserie. Natürlich in China, von einem Hersteller namens Qinpu.

Herzstück der HiFi-Kleinlösung ist der Verstärker D1, ein Röhrenkonzept, ausgestattet mit zwei 6N3-Vorstufenröhren und zwei 6P1-Endstufenröhren im reinen Single Ended Class A Triodenbetrieb mit einer Leistung von 1,5 Watt (8 Ohm). Das nur 3,8 Kilogramm leichte und 22,5 Zentimeter breite Gerät verfügt über zwei Cinch-Anschlüsse sowie einen Line-out-Ausgang für den hauseigenen Subwoofer SW5. Das schwarz eloxierte Aluminium kontrastiert die matt-grün lackierten Oberflächen. Saubere Spaltmaße sowie Liebe zu den Produkten sind haptisch erlebbar. Die verwendeten „Chickenhead“-Knöpfe für die Lautstärkeregelung und die Quellwahl sind eine Reminiszenz an Gitarren-Amps aus den wilden Sechzigern. Die S2 Bassreflex-Lautsprecher mit ihren Hochtonhörnern sind die eigentlichen Stars der Minianlage. Selbstredend habe ich keine Ahnung, wann Sie zuletzt ein ausgewachsenes weibliches Meerschweinchen in der Hand gehalten haben – als Familienvater tue ich dies öfter –, aber dieses Tragegefühl korrespondiert ziemlich genau mit dem Gewicht der 22 Zentimeter hohen Böxchen: 800 Gramm, also ein Hauch von nichts. Da die S2 reine Tischlautsprecher sind, können sie physikalisch bedingt nicht in den untersten Regionen grummeln. Volumen und Membranfläche sind hier Mangelware. Hierzu bietet sich der Einsatz des Subwoofers SW5 fast zwingend an. In die Kette eingeschleift, transportiert die fernöstliche Konstellation nunmehr nicht nur klare Höhen und schöne Mitten, sondern vermag auch im Keller glaubhaft Musik darzustellen.

Genug des Technik-Gejodels, widmen wir uns dem Gesang. Oder zumindest dem, was Blixa Bargeld stimmlich so produziert. „Wo sind die Dichter des Landes geblieben?“, schrie der Frontmann der Einstürzenden Neubauten in den frühen Achtzigern in sein Publikum. Dreißig Jahre später hat er auf Still Smiling (Specula, 2014) in kongenialer Zusammenarbeit mit dem italienischen Musiker Teho Teardo selbst die Antwort gegeben. Sparsamst instrumentiert, erschaffen die beiden Seelenverwandten eine berückende Atmosphäre voller Poesie. Im Song „Buntmetalldiebe“ stehlen dieselben „versehentlich das Internet“ – irgendwie auch ein verlockender Gedanke. Bei dieser gut produzierten CD ist jede Textzeile so aufgeladen wie die zugehörige Musik. Die Mini-Combo überzeugt hier in erster Linie mit einer hohen Sprachverständlichkeit des Bargeldschen Vortrags, verbunden mit einer schönen Räumlichkeit. Keine Details werden verschwiegen, kleine musikalische Verästelungen dringen ins Ohr, zwicken aber nicht den Gehörgang. Musik aus dieser Anlage entspringt der Mitte. Obwohl schnell und dynamisch, tendiert das Ganze immer in Richtung Wärme. Keine Konfiguration für erbsenzählerische Analysten, vielmehr richten sich die Minis an den Genusshörer, der Wert auf Emotionen legt. Und ein solcher Hörertypus versteht es auch trefflich, das deutsch-italienische Poesie-/Musikprojekt der Altpunker zu goutieren.

Eine Neuentdeckung ist das deutsche Trio FLUX mit seinem selbstbetitelten Debütalbum (Paul Gehrig Records, 2015) – ein Zusammenschluss aus dem Hammondorgelvirtuosen Paul Gehrig, dem Gitarristen Thomas Langer und dem Drummer Claus Hessler. Die Kompositionen des Trios grooven und strahlen. Der besondere Flow mit viel Raum für Improvisation kann faszinieren. Langers lyrisches Gitarrenspiel schwebt über dem erdigen Retro-Hammondsound, der dennoch modern wirkt. Claus Hessler flankiert, kommentiert und illustriert die Musik der beiden Melodiemacher mit großer trommlerischer Könnerschaft. Klasse Musiksession, direkt in einem Live-Recording klar und schlackenfrei eingefangen. Die HiFi-Minis vernachlässigen hier die allerfeinsten Details ein wenig. Verschmerzbar. Weitere Mikroinformationen über das musikalische Geschehen werden nicht wirklich vermisst, da hier in puncto Klangfarben Großes geleistet wird. Als Fazit mag ein Zitat aus dem neuen Teardo/Bargeld-Werk herhalten. „Are you happy to see me? / Or is this a gun in your pocket?”, fragt der Poet am Ende des Albums seine Hörerschaft. Ja, vielen Dank für das Gehörte, Blixa. Happy! Wer einen Sinn für Design hat, auf Partylautstärke gerne verzichtet und beabsichtigt, eine kleine feine HiFi-Anlage zu erstehen, ist für 559,90 Euro (UVP) dabei.

Website:
www.audio-gadgets.de