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J02 orangeAustralien ist „down under“ und etwa 15.000 Kilometer von London entfernt, kulturell ist es jedoch lange nicht so weit entfernt.



Wir in London profitieren enorm von der schieren Energie, die die Australier in unsere Jazzszene einbringen.london scotneySebastian Scotney
Einer dieser dynamischen „Aussies“, der in London seine Zelte aufgeschlagen hat, ist der Saxofonist Brandon Allen. „Er ist ein ehrgeiziger Optimist und ein Multitasker“, sagt Labelchef Martin Hummel von Ubuntu Records. Allen kam im Jahr 2000 als 22-Jähriger von Perth in Westaustralien nach London. 2011 startete er in dem Nord-Londoner Vorort, in dem er lebt, das alljährliche Highgate Jazz with Soul Festival. Er fing bei null an, fand die nötigen Sponsoren, machte die ganze Öffentlichkeitsarbeit – und trat auch noch mit seinem Saxofon auf. 2015 präsentierte das viertägige Festival 13 Bands an fünf Auftrittsorten. Nach einer zweijährigen Pause steht das Festival 2018 erfrischt wieder im Kalender. Nicht nur das, Brandon Allen bringt in der nächsten Zeit auch zwei Alben heraus: Eins feiert Gene Ammons, das andere, Suite Soho, hat einen autobiografischen Fokus, sein eigenes Ankommen in London.

Die Sängerin Trudy Kerr aus Brisbane wohnt seit mehr als 25 Jahren in London. Sie tritt auf, leitet Gesangskurse und organisierte auch ein Benefizkonzert, dessen Profit einem Jazzclub in ihrer Heimatstadt zugutekam, der einer Flutwelle zum Opfer gefallen ist. Woher kommt diese enorme Energie? „So sind wir Australier eben“, sagt Kerr. „Du sagst ,Das mache ich‘ – und dann passiert das auch!“ Eine weitere australische Sängerin, die eine zentrale Rolle in der Jazzszene einnimmt, ist Anita Wardell. Sie wird in Kürze zum ersten Mal in Norddeutschland auftreten, im Hamburger Birdland. Zu einer Zeit, in der Jazz als Studienfach in Australien noch in den Anfängen steckte, studierte sie Jazzgesang in Adelaide. Wardell hat sich diesen Pioniergeist bewahrt. Sie startete eigenhändig das Festival Songsuite. Auf die Frage, warum sie sich in diese Sache hineinwarf, sagt sie: „Wir Aussies müssen die Dinge einfach ausprobieren.“

Dieselbe Qualität findet sich bei einigen neueren Ankömmlingen wie der Sängerin und Harfenistin Tara Minton, die erst 2011 aus Melbourne nach Europa zog. Wie kommt sie in ihrer neuen Heimat zurecht? „Wir Australier haben eine direkte Ausdrucksweise“, sagt sie. „Da muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass die Engländer oft nicht meinen, was sie sagen. ‚Lass uns mal einen Kaffee trinken gehen‘ oder ‚Ich melde mich bei dir‘ sollte man nicht wörtlich nehmen.“

Aber wir mögen die Australier – im United Kingdom trinken wir im Jahr 300 Millionen Flaschen australischen Wein, mehr als aus allen anderen Ländern. Also Prost!

Jazzjournalist Sebastian Scotney betreibt die Website www.londonjazznews.com und macht Dokumentarberichte für BBC Radio 3 und JazzFM.