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Was für ein schönes Buch – und zu welchem katastrophalen Anlass es geschrieben wurde! Wir erinnern uns: Im August 2005 fegte der Hurrikan »Katrina« über die Stadt hinweg, in der der Jazz geboren wurde und immer noch zu Hause ist.

Die Dämme brachen, und New Orleans war mitten drin in allen Katastrophenmeldungen. So sehr der Hurrikan Teil einer von Menschen verursachten Klimakatastrophe war, so sehr waren die Folgen Teil einer Politik, die sich vornehmlich gegen die Armen und gegen die afroamerikanische Bevölkerung von New Orleans richtete. Seit »Katrina« haben sich nun die Mehrheitsverhältnisse in der Stadt grundlegend geändert: New Orleans, einst vornehmlich von Afroamerikanern bewohnt, ist nun fest in weißer Hand; die verarmten, von Afroamerikanern bewohnten Viertel sind noch nicht wieder aufgebaut - und wenn aufgebaut wird, dann mit dem Ziel, die Eigentumsverhältnisse zu ändern und um mit neuen Geschäftsvierteln und Bürohäusern Kasse zu machen. New Orleans ändert sich.

Noch vor »Katrina« besuchte die Journalistin und Ethnologin (und JT-Mitarbeiterin) Sibylle Zerr die Geburtsstadt des Jazz. Die Einladung hatte – eher beiläufig – der Musiker Michael Ray (Kool & The Gang, Sun Ra Orkestra) bei einem Auftritt in Muddy’s Club in Weinheim ausgesprochen. Die Betreiber des rührigen Clubs ernannten Sibylle Zerr kurzerhand zur »Blues- und Jazz-Botschafterin« des Clubs - und schon war sie unterwegs, um vom »Jazz and Heritage Festival« und aus New Orleans zu berichten.

Das Ergebnis ihrer Reise ist ein zauberhaftes Buch, in der die Autorin die hohe Kunst der Reportage zelebriert. In kurzweiligen Kapiteln und mit stimmungsvollen, beinahe schon surrealen Fotos porträtiert sie Kneipen und Viertel und - vor allem – Menschen. Die besondere Magie der Stadt rückt ins Visier, die Menschen rücken näher in diesen durchaus literarischen Momentaufnahmen. Als »Kulturbotschafterin mit besonderem Auftrag« trifft die Autorin natürlich in erster Linie auf Musiker; folglich haben wir das Vergnügen, ihre behutsamen und gleichwohl reflektiven Annäherungen an u.a. den jungen Trompetenstar Irvin Mayfield, Produzentenlegende Allen Toussaint oder die Bluesmusiker Bryan Lee und Larry Garner nachlesen zu können. Ein kurzes Nachwort klärt über die Schicksale einiger Musiker nach »Katrina« auf. Und wenn »Katrina« das Schlimmste war, das der Lieblingsstadt des Jazz passiert ist, dann ist dieses Buch eines der schönsten und stimmungsvollsten, die über diese Stadt geschrieben wurden, und hat einen Ehrenplatz innerhalb jeder »New Orleans«-Kollektion verdient.

Sibylle Zerr: Blues für einen Schmetterling. Begegnungen in New Orleans, www.sibylle-zerr.de, 166 Seiten.