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Der tausendste Band der Taschenbuch-Reihe von Kiepenheuer & Witsch wird groß gefeiert: Pop seit 1964 heißt das silberglänzende Buch, in dem von H.C. Artmann, Peter Handke und Hubert Fichte bis zu Kerstin Grether und Moritz von Uslar alles versammelt ist, was ... ja, was? Was Rang und Namen hat, kann man schlecht sagen, denn zu unterschiedlich sind die Preis- und Gewichtsklassen, die der Band versammelt. Peter Handke, dunkler Rauner und Milosevic-Freund aus Österreich, hat mal im Versuch über die Jukebox über Van Morrison geschrieben, und Kerstin Grether hat zusammen mit ihrer Schwester Sandra in der Zeitschrift SPEX bewiesen, dass auch sie über Pop schreiben kann. Dazwischen tummelt sich so mancher legendäre - Rolf Dieter Brinkmann, Jörg Fauser, Rainald Goetz - bis vergessene Name (Wer war noch mal Kid P.? Wer zur Hölle ist Elke Naters?). Auch die Chronologie des Bandes ist unvollständig - so klafft zum Beispiel zwischen 1972 und 1982 (als ein gewisser Diedrich Diederichsen als Chefredakteur der legendären Zeitschrift SOUNDS die Szene betreten hatte) eine empfindliche Lücke. Why that? Haben die Herausgeber noch nie von Helmut Salzinger, Teja Schwaner oder Jörg Gülden gehört? So könnte man noch ewig weiterramentern.
Freuen wir uns stattdessen an dem, was da ist. Da kommt so einiges zusammen: Die große Sibylle Berg (abonnieren Sie doch einfach ihren Newsletter im Internet, dann bekommen Sie regelmäßig einen Text von der melancholischen Wahl-Zürcherin), die mindestens genauso große Clara Drechsler mit ihrem legendären Text über die Wüteriche von Slayer (leider übersetzt die große alte Dame des durchgeknallten Musikjournalismus nur noch und schreibt nicht mehr), Thomas Meinecke, Joachim Lottmann, Olaf Dante Marx. Mit Definitionsfragen halten sich die Herausgeber Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher übrigens nicht lange auf - Pop ist für sie, was »irgendwann einmal so genannt wurde«. Chapeau!
Rolf Thomas

Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher (Hg.): Pop seit 1964. Köln 2007, Kiepenheuer & Witsch, 411 Seiten.