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Online-Archiv

Das Online-Archiv der JAZZTHETIK enthält die bereits auf jazzthetik.de publizierten Artikel. Es bietet keine Komplettübersicht über die erschienenen Beiträge in früheren Printausgaben von JAZZTHETIK. Die Suchfunktion auf jazzthetik.de bietet Ihnen eine Übersicht über die speziell für die Online Ausgabe ausgewählten Artikel.

Julia Hülsmann blickt nach vorn. Die 37-jährige Multitaskerin – sie ist Bandleaderin, als Komponistin gefragt und managt eine Familie – erinnert sich aber auch gern. Zum Beispiel an das erste Stück, das sie als Kind auf dem Klavier gespielt hat: »These Foolish Things«. Sie fand es sehr spannend, weil es mit einer schwarzen Taste anfing. Damit war sie noch lange nicht beim Jazz angekommen, wohl aber bei ihrem Instrument.

Wir schreiben das Jahr 1962: Frankreich ist im Rock’n’Roll-artigen »yéyé«-Fieber, als ein unbekannter Sänger aus Toulouse ein Album herausbringt, ein Jazzalbum! »Da keines der Arrangements vorab geschrieben wurde, ist dieses Album zu 100% improvisiert!«, steht auf dem Cover geschrieben. Darin bringt Claude Nougaro dem gesungenen Französisch einen neuen Rhythmus bei, bietet es dar wie ein bockspringender Stier, der ins Saxofon bläst.

Es gibt nichts Neues unter der Sonne? Gibt es doch! Wenn die Musik von Nik Bärtsch’s Ronin auch aus vielen Quellen schöpft, so ist deren ureigene Kombination daraus doch tatsächlich etwas wirklich Neues. Dank ECM und der neuen Platte Stoa werden das nun auch Menschen außerhalb der Schweiz merken.

Der Western ist tot, es lebe der Western. Als Sam Peckinpah 1968 seinen Film The Wild Bunch drehte, konnte der Western nie wieder sein, was er vorher gewesen war. Die Geschichte der Pioniere war in der brutalen Gegenwart des Vietnam-Kriegs angekommen, die Legende hatte den Alltag eingeholt. Der Höhepunkt eines ganzen Film-Genres war zugleich sein Schlussakkord. Seither gab es nur noch punktuell Western, die entweder versuchten, die Ästhetik von John Ford oder Henry Hathaway nachzuempfinden oder bewusst durch die von Peckinpah aufgestoßene Tür des Anti-Westerns gingen.

Berlins derzeit heißeste Band hat zwar keinen Berliner in ihren Reihen, aber dafür einen imaginären Freund, der sie inspiriert, der ihnen eine Richtung gibt, wenn im Dickicht von Gitarrenwänden und Powerdrumming keine mehr zu erkennen ist, der zu ihnen hält, wenn keiner mehr weiß: Ist’s Jazz oder Garagenrock? Damen und Herren, darf ich vorstellen: Johnny La Marama.