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Mittwoch, 8. September 2010

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Kristiansand/Norwegen: Punkt 09 Festival E-Mail
Bild und Text: Christoph Giese. punktfestival02.jpg
Wenig Zeit bleibt dabei dem jeweiligen Remixer, der das Ursprungskonzert nicht einmal zur Hälfte sehen und hören kann, um den Remix vorzubereiten. Aber Spontaneität wird in Kristiansand oft mit den besten Ergebnissen belohnt. So auch in diesem Jahr. Denn wie etwa der Deutsche J. Peter Schwalm mit Drummer Erland Dahlen und Gitarrist Eivind Aarset das betörende, von (einmal mehr bei diesem Festival) großartigen Visuals begleitete Konzert von Susanna & the Magical Orchestra mit stetig ansteigendem Energielevel zur Explosion brachte oder wie Jan Bang, Eivind Aarset und die beiden Amerikaner Adam Rudolph und J.A Deane Fragmente der politischen Spoken-Word-Salven von Ursula Rucker extrahierten, als Loops laufen ließen und sie mit einem düster-packenden Soundkosmos umgaben - das öffnete Ohren, Herz und Seele.

Nicht immer funktioniert das Konzept. Mitglieder des Kristiansand Symphony Orchestra versuchten sich unter der Leitung des Schweden Peter Tornqvist an einem Remix des magischen Auftritts von Arve Henriksen mit dem Programm seines wundervollen ECM-Debüts Cartography. Der Remix aber bot nicht nur wenig Spannendes, er hatte keinerlei Bezugslinie zu Henriksens verzaubernder Musik. Ein Fehlschlag zwar, aber als solcher die Ausnahme in Kristiansand. Die meisten Remixe im kleinen Alfa Room sind hochspannend und packend, die meisten Konzerte im großen Saal des Agder-Theaters sind es auch.

Punkt entwickelt sich stets weiter, expandiert. Seminare - in diesem Jahr konnte man u.a. Sidsel Endresen und Guy Sigsworth von ihrer Arbeit erzählen hören - zählten schon zum Programm; neu sind Kinofilme wie Amplified Gesture, ein informativer Dokumentarstreifen über die freie Improvisation des Briten Phil Hopkins, der in Kristiansand als Weltpremiere gezeigt wurde, oder die nächtlichen Clubabende in diversen Lokalen der Stadt mit Künstlern wie Mungolian Jet Set oder Bugge Wesseltoft. Im letzten Jahr reiste Punkt zum ersten Mal: Im Rahmen des London-Jazz-Festivals durften Jan Bang und Co. drei Nächte ein kleines Punkt-Festival kreieren, für die USA und Schweden gibt es ähnliche Angebote - und am 30. Oktober kommen die Punkt-Macher mit den Gästen Jon Hassell, dem Ensemble Modern und Sweet Billy Pilgrim nach Mannheim, um beim Enjoy-Jazz-Festival einen ganzen Abend zu gestalten.

Wie es mit Punkt in Zukunft weitergeht? »Ich weiß es noch nicht«, meint Jan Bang. »Meistens mache ich ein Projekt für eine Zeit, um es dann zu beenden und was Neues zu beginnen.« Aber man spürt: Punkt ist etwas Besonderes für Bang, ein weites Feld zur Realisierung von Ideen, die ihm während eines Jahres durch den Kopf schwirren. Definitiv beenden wird Jan Bang zunächst seine enge Zusammenarbeit mit Arve Henriksen. Eine Solo-CD, die erste seit langer Zeit, steht in naher Zukunft an. Sie wird wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres bei David Sylvians Samadhisound-Label erscheinen.

Das große Finale beim diesjährigen Punkt-Festival, das Multimedia-Event »Exits«, brachte mehr als zehn der Festival-Musiker auf die Bühne. Untermalt von den abstrakt-schönen Videos des Briten Russell Mills, der schon für Brian Eno, David Sylvian oder die Nine Inch Nails Plattencover kreierte, brachte diese All-Star-Band um Bang und Honoré eine dunkle und geheimnisvolle Musik zu den eindringlichen Gedichten des Norwegers Nils Christian Moe-Repstad zu Gehör. Ein fulminanter Schluss-Punkt mit langem Nachhall.