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Hörbucht #14 |
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Heinz Erhardt
Da kommt doch noch was
2 CDs
Heinz Erhardt: voice, voc, p
33 Tracks
Content / edelkultur
*****
Heinz Erhardt
Nachdem ich mich hier versammelt habe ...
CD1: Tribute to Heinz Erhardt mit Peter Maffay, Götz Alsmann, Stefan Gwildis, Bill Ramsey, Uwe Ochsenknecht, NDR Bigband, Otto Waalkes u.v.a.
CD2: identisch mit Da kommt doch noch was CD1
CD3: »10 Pfennig Oper«
+ Buch in LP-Größe mit Fotos und Memorabilia
Earbooks / edelkultur
***(*)
Im allgemeinen Heinz-Erhardt-Gedenken zum hundertsten Geburtstag des Humoristen, Dichters, Musikers, Schauspielers, Pianisten und Vortragskünstlers kann man schon mal den Überblick verlieren anlässlich all der DVDs, CDs und Bücher, die zu Ehren des Schelms veröffentlicht werden. Die JAZZTHETIK - nach dem Motto: »Lasst uns von Tonne zu Tonne eilen, wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen« - hat sich entschlossen, die Spreu vom Weizen zu trennen und empfiehlt natürlich CDs. Nicht nur, weil man die hören kann, sondern weil seine Filme doch etwas, nun ja, grenzwertig sind und sie eh ständig im Fernsehen wiederholt werden. Man kann dem Erhardtschen Universalgenie aber tatsächlich am besten nahekommen, wenn man sich aufs Hören beschränkt.
»So harmlos«, wie Erhardt in seinen Filmen erscheint, »war er nicht«, wie nicht nur die »angesehene Wochenzeitung« (Klaus Theweleit) DIE ZEIT am 19. Februar schrieb. Die Hamburger Edelfedern haben sogar Aki Takase ans Telefon bemüht, in der Absicht, sie als Heinz-Erhardt-Fan zu outen - doch den Gefallen tut ihnen die Pianistin nicht. Aber Interviewer Ulrich Stock gibt nicht auf: »Sie haben Heinz Erhardt als Ihren Lieblingsmusiker bezeichnet.« Takase: »Er ist nicht unbedingt mein Lieblingsmusiker.« Stock: »In einem Sketch hat er einst behauptet, ein Pianist brauche nicht nur ›seiner Finger Schwielen‹, sondern auch das Haupt. Fühlen Sie sich erkannt?« Takase: »Nein!« Stock: »Erhardt hätte Sie gefragt: ›Haben Sie auch schon mal im Süden gespielt? In Südlappland?‹ Hätten Sie da schon lachen müssen?« Takase: »Wohl kaum. Weil ich es nicht verstanden hätte.« So weit Aki Takase über ihren »Lieblingsmusiker.« Das ganze unfreiwillig dadaistische Interview sollte man unbedingt selbst nachlesen.
Das Einzige, was einen vom Erwerb der Doppel- und der Dreifach-CD abhalten könnte, ist die Tatsache, dass eine CD in beiden Boxen identisch ist. Dafür erhält man in Nachdem ich mich hier versammelt habe ... aber noch ein entzückendes Buch mit seltenen Fotos und die äußerst rare »10 Pfennig Oper« (nur echt mit dem Ritter Geierblick). Dafür nimmt man die durchwachsene Tribute-CD, auf der so humoristische Koryphäen wie Peter Maffay und Uwe Ochsenknecht (aber auch Otto oder die NDR Bigband) ihrem Idol huldigen, doch gerne in Kauf. Zumal die NDR Bigband schwer in Form ist - und Stefan Gwildis, Götz Alsmann und Bill Ramsey ihren Job auch gar nicht schlecht erledigen.
Ein absoluter Pflichtkauf ist aber die Doppel-CD Da kommt doch noch was, die Erhardt pur enthält. Er rezitiert Gedichte, erweist sich als Vorläufer so ziemlich jedes Comedians, den man sich denken kann (ein leider zwiespältiges Verdienst, denn Knalltüten wie Mario Barth haben sich bei Erhardt genauso viel abgeguckt wie echte Könner wie Dieter Nuhr) und ist ein musikalisches Unikum, das sein Publikum mit vordergründigem Charme einwickelt und ihm dabei eine erstaunliche Menge an »politically« unkorrekten Witzen unterjubelt. Doch vor allem ist Heinz Erhardt natürlich ein Sprachspieler vor dem Herrn gewesen (»Großbritannien ist das Land mit dem meisten Wetter«), der keinen Kalauer links liegen ließ. Dass er nebenbei auch ein derber Alkoholiker gewesen sein dürfte, wird in der allgemeinen Erhardt-Verehrung schamhaft verschwiegen. Im Fernsehen verstieg sich der unvermeidliche Frank Hart, aber fair Plasberg sogar zu der Ansicht, dass Erhardts Korn-Lied charmant sei - nur, wenn es von Big-Brother-Jürgen in einer Disco besoffenen Horden vorgetragen werde, sei das irgendwie nicht mehr gut. Hm.
Einigen wir uns doch darauf: Heinz Erhardt war sehr, sehr witzig und hatte den Schalk nicht nur im Nacken sitzen. Und »so harmlos war er nicht«: Leute, von denen er wenig hielt, bezeichnete Heinz Erhardt als »Hundertsassa«.
Rolf Thomas
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